Foto: Titebild mit einem zu reparierenden Gegenstand © maxmann_Pixabay

Diese Wiener Reparatur-Werkstätten geben Dingen ein zweites Leben

Reparieren erlebt ein Comeback. Ein abgelaufener Schuhabsatz, eine gebrochene Schirmspeiche oder die Lampe vom Flohmarkt, die schon ewig nicht mehr leuchtet? Was früher oft schnell ersetzt wurde, landet heute wieder auf dem Werktisch.

Lange galt neu kaufen als die einfachere Lösung. Wenn der Toaster streikte, der Reißverschluss klemmte oder die Lieblingsschuhe abgelaufen waren, war Ersatz oft schneller gefunden als eine Reparaturwerkstatt. Dieses Verhältnis verändert sich gerade. Nachhaltiger Konsum, steigendes Bewusstsein für Ressourcen und die Wertschätzung hochwertiger Produkte sorgen dafür, dass Reparieren wieder stärker in den Alltag zurückkehrt.

Gleichzeitig erlebt damit auch ein Handwerk neue Aufmerksamkeit, das vielerorts bereits zu verschwinden drohte. In Wien gibt es noch spezialisierte Werkstätten, in denen erfahrene Handwerker und Handwerkerinnen mit ihrem Fachwissen Dinge reparieren, für die es längst keine Standardlösung mehr gibt. Gerade darin liegt ihr Reiz: Jedes Stück wird individuell betrachtet, der Schaden analysiert und nach einer Möglichkeit gesucht, es wieder funktionstüchtig zu machen. So bleibt wertvolles handwerkliches Wissen erhalten und behält seinen Platz im Wiener Stadtbild.

Schuhmachermeister Thomas Schikola

Ein paar gute Schuhe begleiten einen im besten Fall über Jahre. Umso mehr lohnt es sich, ihnen bei abgelaufenen Sohlen, beschädigten Absätzen oder gerissenen Nähten nicht vorschnell Lebewohl zu sagen. In der Singerstraße, nur wenige Schritte vom Stephansdom entfernt, arbeitet Schuhmachermeister Thomas Schikola an genau solchen zweiten Chancen. Das Handwerk liegt bei ihm in der Familie: Bereits sein Urgroßvater war Schuhmacher, und früh kam Schikola mit Leder, Leisten und traditioneller Schuhmacherkunst in Berührung.

Heute verbindet er dieses Wissen mit einem modernen Verständnis von Qualität und Langlebigkeit. Neben der Reparatur unterschiedlichster Modelle hat er sich insbesondere auf holzgenagelte Maßschuhe spezialisiert. Diese traditionelle Machart, bei der der Schuh individuell auf den Fuß angepasst wird, steht für ein Verständnis von Konsum, das dem schnellen Austausch entgegengesetzt ist. Ein hochwertiger Schuh soll nicht eine Saison überstehen, sondern mit seinem Besitzer oder seiner Besitzerin älter werden dürfen und bei Bedarf fachgerecht repariert werden.

Von der Sohle bis zum Reißverschluss

Das Angebot reicht von kleinen Ausbesserungen bis zu umfangreicheren Reparaturen. Neue Halbsohlen aus Leder oder Gummi, Schutzsohlen, erneuerte Absätze, Fersenfutter oder Spitzen gehören ebenso dazu wie das Befestigen lockerer Absätze und das Einnähen von Reißverschlüssen. Auch bei Stiefeln können Innenfutter und andere stark beanspruchte Teile erneuert werden. Statt einer Standardlösung wird dabei zunächst geschaut, was am jeweiligen Schuh tatsächlich notwendig ist.

Besonders interessant ist der Ansatz, Reparatur nicht als bloße Notlösung zu verstehen. Gerade gut gemachte Schuhe entwickeln mit der Zeit eine individuelle Passform und werden oft erst nach einigen Jahren wirklich bequem. Eine neue Sohle oder ein erneuerter Absatz kann deshalb mehr sein als eine Reparatur, nämlich die Verlängerung eines bereits eingetragenen Lieblingsstücks. Der Schuster zeigt damit, warum traditionelles Handwerk gerade heute wieder an Bedeutung gewinnt: Qualität muss nicht ersetzt werden, nur weil ein einzelnes Teil Verschleiß zeigt.

Foto: Ansicht wie Schuhe von Hand gepflegt und repariert werden vom Meister der Masschuhe © Masschuhe_Schikola

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Brigitte Schirme

Regenschirme gehören vermutlich zu jenen Alltagsgegenständen, die besonders schnell ersetzt werden. Eine verbogene Speiche, ein defekter Griff oder ein beschädigter Mechanismus und schon landet der Schirm oft im Müll. Bei Brigitte Schirme am Franz-Josefs-Kai wird das anders gesehen. Das Wiener Fachgeschäft beschäftigt sich seit Generationen mit Regenschutz und bietet neben dem Verkauf hochwertiger Modelle auch einen umfassenden Reparaturservice an.

Grundsätzlich können hier unterschiedlichste Arten von Regenschirmen begutachtet und repariert werden. Ob Stockschirm, Taschenschirm oder hochwertiges Manufakturstück: Zunächst wird der Schaden direkt vor Ort analysiert. Gerade bei komplexeren Mechanismen lässt sich der Aufwand oft erst einschätzen, wenn der Schirm geöffnet und genau untersucht wurde. Bei hochwertigen Modellen lohnt sich die Reparatur in vielen Fällen – nicht zuletzt, weil gute Schirme häufig über Jahre oder sogar Jahrzehnte verwendet werden können.

Über hundert Jahre Wissen rund um den Regenschutz

Brigitte Schirme besteht bereits seit 1910 und ist damit eines jener Fachgeschäfte, die sich bewusst gegen die Logik des schnellen Austauschs stellen. Neben klassischen Stock- und Taschenschirmen gehören auch hochwertige Manufakturschirme zum Sortiment. Diese können teilweise individuell gestaltet werden, etwa mit personalisierten Stickereien oder besonderen Griffen aus Holz. Ergänzt wird das Angebot durch Regenbekleidung, Gehstöcke und Handschuhe. Die Reparatur ist hier aber ein selbstverständlicher Teil des Geschäftsmodells. Besonders bei Schirmen mit hochwertigen Gestellen oder persönlichem Erinnerungswert kann sich die Instandsetzung lohnen.

Foto: Ansicht von bunten, aufgespannten Schirmen im Geschäft © Weninger

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Die Lampenschirmerzeugung

In der Operngasse im vierten Bezirk befindet sich eine Werkstatt, die sich einer Handwerkskunst widmet, die heute nur noch selten zu finden ist: der individuellen Herstellung und Reparatur von Lampenschirmen. In der Lampenschirmerzeugung von Lion Fink entstehen Lampenschirme nach Maß und in traditioneller österreichischer Handarbeit. Dabei geht es nicht nur darum, einen neuen Schirm zu fertigen, sondern oft auch darum, bestehende Stücke zu erhalten und ihnen ein neues Leben zu geben. Besonders bei älteren Leuchten, Erbstücken oder außergewöhnlichen Designobjekten ist eine Neuanschaffung schließlich nicht immer die naheliegendste Lösung.

Die Besonderheit der Lampenschirmerzeugung liegt im individuellen Zugang. Statt standardisierter Größen und Materialien entsteht jedes Stück in enger Abstimmung mit den Kundinnen und Kunden. Form, Stoff und Proportionen lassen sich auf eine bestehende Lampe oder einen bestimmten Raum abstimmen. Besonders bei hochwertigen Leuchten oder Möbelstücken kann ein neuer Schirm den Charakter des Originals bewahren und zugleich zeitgemäß wirken.

Auch beschädigte oder in die Jahre gekommene Markenleuchten werden repariert statt ersetzt. Dabei verbindet die Werkstatt Know-how und traditionelle Fertigungstechniken mit modernen Bearbeitungsmöglichkeiten. So entstehen Einzelstücke, die bewusst erhalten werden. Die Werkstatt übernimmt Aufträge für Privatpersonen ebenso wie für Hotels, Gastronomiebetriebe oder Einrichtungshäuser. Auch ungewöhnliche Ideen gehören zum Repertoire: So können etwa Vasen oder andere Objekte zu individuellen Leuchten umgebaut werden.

Foto: Aussenansicht des Geschäftes Lampen Weninger © Weninger

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Puppen-Klinik Reichel

Vom strubbeligen Teddy über die antike Puppe bis zum Lieblingskuscheltier, ohne das der Nachwuchs nicht einschlafen kann: Manche Gegenstände besitzen einen Wert, der sich nicht berechnen lässt. Die Puppe aus der Kindheit, der Teddy einer Großmutter oder ein altes Sammlerstück können beschädigt sein, ersetzen lassen sie sich trotzdem nicht. Genau hier beginnt die Arbeit der Puppenklinik in der Heumühlgasse. Seit den 1990er-Jahren widmet sich Manfred Reichel der Reparatur und Restaurierung von Puppen, Stofftieren und historischem Spielzeug.

Die Liste möglicher "Patienten" ist lang: kaputte Glieder, herausgefallene Augen, beschädigte Puppenkörper oder zerrissene Kleidung gehören ebenso zu den Fällen wie aufwendige Restaurierungen antiker Stücke. Dabei kommen Puppen aus ganz unterschiedlichen Epochen in die Werkstatt, von historischen Modellen aus dem 19. Jahrhundert bis zu Barbies und Baby Dolls aus jüngerer Zeit. Reichel repariert nicht nur Puppen, sondern auch Teddybären, Stofftiere, Eisenbahnen und anderes nicht-elektronisches Spielzeug.

Zwischen Ersatzteillager und Zeitreise

Schon der Besuch der Puppen-Klinik ist ein Erlebnis für sich, denn die ehemalige Schneiderwerkstatt wurde bewusst nicht in ein modernes, minimalistisches Geschäft verwandelt. Alte Glasschaukästen, Holzregale und unzählige Schubladen bilden die Kulisse für eine Sammlung, die gleichzeitig Werkstatt und kleines Museum ist. Puppen und Teddybären warten in den Regalen auf ihre Reparatur, während sich Ersatzteile aus unterschiedlichen Jahrzehnten in Schränken und Laden finden.

Foto: Außen Ansicht der Puppen-Klinik mit rotem Portal © Weninger

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Karl Boubal

Wer die Werkstatt von Karl Boubal in der Neubaugasse betritt, findet keine glatte Hightech-Werkstatt mit austauschbaren Geräten auf weißen Regalen. Stattdessen wird in einem alten Kellergewölbe gearbeitet, zwischen Werkbänken, Prüfgeräten und einem Ersatzteillager, das über Jahrzehnte gewachsen ist. Genau dieses Lager ist einer der Gründe, warum hier auch Geräte repariert werden können, die anderswo längst als hoffnungsloser Fall gelten würden.

Karl Boubal ist Elektromechaniker aus Leidenschaft und arbeitet seit Jahrzehnten in derselben Werkstatt. Sein Spektrum ist bemerkenswert breit: Von Küchenmaschinen und Mixern über Staubsauger und Kaffeemaschinen bis zu Bohrmaschinen, Ventilatoren, Pumpen und Elektrowerkzeugen werden unterschiedlichste Geräte wieder instandgesetzt. Selbst ältere Modelle, für die kaum noch Ersatzteile erhältlich sind, bekommen eine zweite Chance. Teile von nicht mehr verwendbaren Altgeräten werden aufgehoben und können später genau das fehlende Element für eine andere Reparatur liefern.

Als Partner des Wiener Reparaturnetzwerks ist Karl Boubal Teil einer Initiative, die Reparaturen als wichtigen Beitrag zur Ressourcenschonung versteht. Gleichzeitig ist seine Werkstatt ein Beispiel dafür, wie viel Wissen in spezialisierten Handwerksbetrieben steckt. Vom defekten Heizlüfter bis zur alten Küchenmaschine: Was auf den ersten Blick wie „Elektroschrott“ aussieht, kann mit dem richtigen Ersatzteil und etwas Erfahrung oft wieder jahrelang funktionieren.

Foto: Außen Ansicht des Geschäftes mit sehr buntem Portal. Firmenschild in Gelb mit der Aufschrift von Reparaturen und Service Karl Boubal © Weninger

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