Der Stoff, aus dem die Träume sind... So heißt es in einem Sprichwort, das traumhafte Dinge beschreiben will. So fühlt sich auch das Betreten von Stoffgeschäften an. Wer sich für Nähen und Co. begeistert, findet in Wiener Traditionsbetrieben sowie sehr modernen Geschäften eine bunte Vielfalt an Spitze, Seide oder Baumwolle für Kleidung, Vorhänge oder Bettwäsche. Wir möchten euch eine bunte Auswahl dieser Shops präsentieren.

Die Stoffschwester

In zwei Filialen in Wien und Wiener Neustadt freuen sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Stoff- und Nähfans mit Inspiration, Beratung und Produkten in Bio-Qualität zur Seite zu stehen. Im Shop wie auch online auf den Stoffschwester-Plattformen erfahrt ihr von neuen Trend-Techniken wie dem "Plotten", neuen Stoffkreationen oder Aktionen. Ob Strampler fürs Baby, Latzhosen fürs Kind oder ein Sommerkleid in eigenem Design: Die Stoffschwester bietet nicht nur ballenweise Stoffe, sondern berät bereits direkt auf der Website, wie die jeweiligen Materialien zu verarbeiten sind. Auf der Suche nach einem passenden Geschenk wirst du auch fündig: Gutscheine zum Verschenken erhält man online sowie im Shop. Wer das Zubehör benötigt: Nähmaschinen gibt es vom günstigen Einsteigermodell bis hin zu professionellen Geräten für mehr Raffinesse im Stich. Es lohnt sich also vorbeizuschauen. Wer nicht selbst Hand anlegen möchte, findet unter dem eigenen Label "Buntifant" entzückende Baby- und Kindermode.

Foto: Eine Frau zwischen zwei Stoffregalen. © Candice Barlow

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Guate Stoffe

Ein Flair von Südamerika umweht dieses Geschäft in der Westbahnstraße 27 im 7. Wiener Gemeindebezirk. Textiles Handwerk aus Guatemala an interessierte Kundschaft zu bringen, ist das Ziel dieses besonderen Shops. Die Kreationen reichen von Klassikern bis hin zu modernen Stoffen und Designs. Bring bunte Töne und die Magie aus dem Hochland Guatemalas in dein Wohnzimmer - das denkt man, wenn man von dieser Farbenpracht umgeben ist. Hier kannst du handgewebte, nachhaltige und fair gehandelte Produkte für deine Liebsten kaufen. Die Firmen-Philosophie ist dabei genauso unterstützenswert wie farbenfroh: Das Unternehmen arbeitet in kleinen guatemaltekischen Dörfern mit Frauen und Familien zusammen, ist jedes Jahr vor Ort und zahlt nach fairen Faktoren. Wer "Guates" tun will, kommt unbedingt hierher.

Foto: Stoffgeschäft mit unterschiedlichen Stoffen und Farben. © Michaela Krauss-Boneau

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Stoffsalon

Ihr wollt nicht nur Stoff am laufenden Band, sondern auch Nähkurse und Zubehör sowie die passende Nähmaschine? Dann seid ihr im Stoffsalon richtig. Hier füllen Biostoffe, Textil aus dem fernen Japan und wunderschöne Webstoffe, die man sonst selten findet, die Regale. Ob Bezüge für das neue Sofa, Vorhänge oder einen Kimono - mit tollen Inspirationen zeigen die Frauen hinter dem Stoffsalonvorhang, was sich Wunderbares fabrizieren lässt. Wie wäre es mal mit einem anderen Programm für einen verregneten Samstagnachmittag? Denn Nähkurse werden in diesem Unternehmen nicht nur für Fortgeschrittene bzw. Erwachsene angeboten, sondern auch für Kinder. Auch zu aktuellen Ereignissen wie dem Schulanfang - Schnittmuster für Schultüten - lässt sich der Stoffsalon regelmäßig etwas Neues einfallen. Wer das atmosphärische Geschäft nicht physisch besuchen kann, sieht auch digital wunderbare Inspirationen. Auf Instagram posten die Betreiberinnen Fotos von Nähergebnissen ihrer Kundinnen und Kunden inklusive Beschreibung der Materialen und Links zu Stoffschnitten.

Foto: Stoffgeschäft mit unterschiedlichen Stoffen und Farben. © Michaela Krauss-Boneau#

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Komolka

Seit über 80 Jahren steht Komolka auf der Mariahilfer Straße für Mode zum Selbermachen. Das Geschäft gehört zu den letzten großen Stoffhändlern Europas und zählt u.a. die Opernhäuser in Zürich und Berlin zu seinen Kunden. Wir haben Geschäftsführer Herbert Komolka ein paar Fragen gestellt.

Die Firma Komolka wurde 1942 gegründet. Was würden Sie als wichtigste Eckpunkte der Unternehmensgeschichte bezeichnen?
Gründer war mein Großvater Jakob Komolka, und zu Beginn war unser Unternehmen das kleinste Stoffgeschäft auf der Mariahilfer Straße. Im Unterschied zu heute gab es damals ganze zehn Mitbewerber – unter anderem die bekannten Kaufhäuser Herzmansky, Stafa und Gerngroß. Jakob Komolka war Lehrling bei Herzmansky und hatte später die Möglichkeit, ein kleines Stoffgeschäft zu übernehmen und selbst zu führen. Die einzige Chance, gegen die Großen zu bestehen war: Er musste billiger sein. Es gelang ihm, eine Stammkundschaft aufzubauen. Um 1958 stieg mein Vater – damals Anfang 20 – in die Firma ein. Er kaufte die danebenliegende Mieder-Zubehörfirma dazu, aber diese Ware ging nicht gut. Also wurde die Wand durchgebrochen und der Stoffhandel vergrößert. Womit wiederum deutlich mehr Kunden bedient werden konnten und das Wachstum weiter voranschritt.

Führte Ihr Vater das Geschäft da schon allein?
Nein, mein Großvater war nach wie vor dabei. Und auch meine Großmutter, die selbst täglich im Geschäft stand – sie kannte all unsere Kundinnen und Kunden. Und diese persönliche Beziehung, die individuelle Betreuung, kam gut an. Man war beim Komolka nicht so anonym wie bei den anderen Händlern. Bald schon nahmen wir den ersten Stock dazu und waren auf der Mariahilfer Straße das erste Geschäft mit einer Rolltreppe. Währenddessen stellten unsere Mitbewerber, die großen Kaufhäuser, ihr Sortiment nach und nach um – setzten vermehrt auf Schmuck oder Parfüm. Auf den benötigten Platz im Geschäft gerechnet war das lukrativer – der Quadratmeterumsatz stieg, während der Aufwand vergleichsweise sank. Mittlerweile waren wir aber auch schon groß, und Komolka ist irgendwie „übriggeblieben“ – als letztes Mammut. Nämlich nicht nur auf der Mariahilfer Straße oder in Wien, nein: Wir sind einer der letzten großen Stoffhändler in Europa. Sowas wie uns gibt es in der Größenordnung zum Beispiel in Deutschland überhaupt nicht. Zumindest, wenn man die Kinder- und Damenmode hernimmt – im Bereich Dekor sieht es schon noch anders aus.

Wann und wie sind Sie selbst ins Familienunternehmen eingestiegen? War das immer Ihr Wunsch?
Das war von meinem Vater schon mehr oder weniger vorbestimmt. Ich habe kurz rebelliert und Schiffsbau studiert, aber das war es dann doch nicht. Meine Schwester war zuerst im Unternehmen tätig. Als sie schwanger wurde, stand ich Anfang der 80er-Jahre vor der Entscheidung: Entweder, ich steige ein und werde Unternehmer, oder die Stelle wird extern, mit einem angestellten Geschäftsführer, besetzt. Es war also nicht mein Traumberuf, aber es hat sich alles ganz gut entwickelt – es läuft.

Wer ist denn heute so der typische Komolka-Kunde?
Man kann zwei Gruppen definieren: jene, die Kleidung nähen – und jene aus dem „Do It Yourself“ -Bereich. Letztere kaufen Stoff oder Spitzen in kleinen Mengen, z.B. für eine einzelne Tischdecke oder für Puppengewand. Das ist ein Kundenspektrum, das uns sehr lieb ist. Aber um das Geschäft richtig am Laufen zu halten, brauchen wir vor allem die echten Schneiderinnen und Schneider, die Modemacherinnen, die Theaterleute. Wir haben auch viele Kundinnen und Kunden aus den Nachbarländern. In Ungarn oder der Slowakei näht man sich zum Beispiel gerne noch Mäntel. Das Modeverständnis ist dort noch ein anderes, etwa für den Opernbesuch. Ganz grundsätzlich ist für uns das Theater sehr wichtig, genauso wie die Ballsaison – durch Covid-19 wurde unser Geschäft deutlich erschwert. Die Kostüm- und Bühnenbildnerinnen und -bildner kommen z.B. aus Berlin oder Zürich, um sich von uns beraten zu lassen und einzukaufen.

Das dürfte auch künftig lukrativ bleiben, nachdem der Mitbewerb so sehr ausgedünnt wurde…?
In Wahrheit wird der Markt immer kleiner. Durch das Internet haben unsere Kunden natürlich auch neue Möglichkeiten – es wurde leichter, direkt mit den Stoffherstellern in Kontakt zu treten. Und weil es den europäischen Produzenten aufgrund der Konkurrenz aus China nicht so toll geht, liefern die erstens selbst an die Endkunden, und zweitens mittlerweile auch in Kleinmengen.

In welche Richtung wird sich Ihr Sortiment vor diesem Hintergrund entwickeln?
Es könnte deutlich stärker in Richtung Dekor und Kindermode gehen. Aber das will ich ehrlich gesagt nicht. Ich will den Charakter unseres Unternehmens, die Kernmarke von Komolka, erhalten: Ein breites Angebot, das den DIY-Sektor mitbedient, aber vor allem von der Kindermode bis zur hochwertigen Couture- und Cocktail-Mode reicht. Genau aus diesem Grund gehen wir auch in Schulen und klären die jüngeren Generationen auf. Die verstehen ja meist gar nicht, warum ein Meter eines bestimmten Modestoffs bei uns 35 Euro kostet – und der H+M oder Zara verkaufen ganze Kleider um 17 Euro. Nur halt in erbärmlicher Qualität. Dabei gibt es kaum einen Bereich, in dem Nachhaltigkeit so einfach eine größere Rolle spielen könnte, als bei der Bekleidung: In dem man hochwertige, regionale Kleidung kauft – oder sie sogar mit hochwertigen Stoffen selbst näht bzw. nähen lässt. Viele Jugendliche hatten ja noch nie einen echten Wollstoff in der Hand. Das ist mit ein Grund, warum wir unser Nähkollektiv gestartet haben.

Was steckt da drin, im Nähkollektiv?
Das ist unser Kursprogramm für Kinder, Jugendliche und Erwachsene – nur ein paar Meter weiter die Mariahilfer Straße runter, auf Nummer 53. Dort bieten wir Näh- und Schnittkurse, Stoff-Events, Cosplay-Kurse und einschlägige Präsentationen an, um das wertvolle Wissen um Mode sowie das Schneiderhandwerk zu fördern.

Gibt es Stoffe, die nie aus der Mode kommen?
Natürlich gibt es sowas wie „Basics“ – also Standardstoffe, die die Leute kennen. Die kommen in dem Sinn nicht wirklich „aus der Mode“ – nur wird das Klientel immer kleiner, das sich dafür interessiert. Etwa ein Woll-Flanell: Den kennt man – aber den können immer weniger Leute verarbeiten. Umgekehrt kann man sagen: Was in Mode kommt, das hängt halt z.B. von Versace ab – oder davon, was J.Lo bei irgendeiner Gelegenheit trägt.

Wenn Jennifer Lopez also im August in Venedig ein bestimmtes Kleid anhat, wird der entsprechende Stoff bei Ihnen nachgefragt?
Ja, dann kommen die Leute und wollen sowas haben. Aber „Mode“ wird noch viel mehr von verschiedenen Medien – also vor allem von Mode- und Style-Magazinen – geprägt. Die erfinden das eigentlich: Wenn J.Lo einen goldenen Rock trägt und irgendwo anders ein weiterer Promi eine goldene Bluse, dann heißt es: Gold ist der neueste Schrei! Und dann kreieren die Redaktionen selbst Mode in Gold – und schaffen damit erst den angeblichen Trend. Dasselbe passiert z.B. auch mit Leoparden-Muster. Oder wenn es heißt: „der Sommertrend Gelb“. Ja, Gelb ist halt eine schöne Farbe, die viele Leute aber ohnehin gerne tragen.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Es wäre schön, wenn sich die Menschen mit echter Nachhaltigkeit beschäftigen würden – eben mit der Qualität von Stoffen und der Möglichkeit, diese selbst zu verarbeiten.

Foto: Innenraum Komolka © Bernhard Madlener

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Biostoffe

Im neuen Standort auf 350m2 lädt das barrierefreie Geschäft Biostoffe seine Kundinnen und Kunden ein, in die Welt der Stoffe einzutauchen. Dort findet ihr ausschließlich Biostoffe und Nähzubehör aus umwelt-, tier- und menschenfreundlicher Produktion. Die Rohstoffe stammen aus kontrolliert biologischem Anbau und artgerechter Tierhaltung. Die gesamte Umsetzung des Unternehmensbasiert auf Nachhaltigkeit: Reste werden vermieden, Ökostrom im Shop, eine Restekiste wird kostenlos angeboten, umweltgerechte Verpackung usw. Eine riesige Auswahl von hochwertigen Stoffen für alle Näharbeiten - das hat man sich hier zum Ziel erklärt und es sind vor Ort sowie online sämtliche Stoffe sowie Nähzubehör oder Schnittmuster erhältlich. An Werktagen von 9:30 bis 18:00 sowie an Samstagen bis 15:00 sind die Tore von Bisostoffe geöffnet. Im hinteren Teil des großen Geschäfts können sich Kinder der Kundinnen und Kunden in der Spielecke die Zeit vertreiben. Ein Tipi und Spielsachen warten auf die Kleinen, damit sich Mama und Papa in Ruhe umsehen können. Eine tolle Idee! Im Loungebereich könnt ihr euch zum Schmökern und Plaudern treffen. Genug Platz für Nähkurse findest du hier ebenso, dafür ist ein großer Tisch mit mehreren Nähmaschinen eingerichtet. Virtuell lässt sich der Shop ebenfalls erkunden, dafür reichen ein paar Klicks.

Foto: Stoffgeschäft mit unterschiedlichen Stoffen und Farben und Menschen © Biostoffe

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Giraffenland

Alles, was das Nähherz begehrt, will euch das Giraffenland erfüllen. Der Wiener Betrieb bietet Stoffe aus aller Welt genauso wie regionale Textilien. Frisch umgezogen, befindet sich der Shop nun in der Währingerstraße 144 statt 160 und ist dort mit demselben Enthusiasmus und dergleichen Kreativität für Kundinnen und Kunden da. Das Besondere neben Unmengen an Stoffballen ist die eigene Marke der Flechtkordel, die in 40 prächtigen Farben erhältlich ist: von „limone“ über „knallrot“ bis hin zu „zuckerlbunt“. Passend dazu gibt es praktische Anleitungsbücher - auch für Kids - für Makramee, wo ornamentale Knoten-Technik zu tollen Schmuckdesigns verarbeitet wird: Taschen, Wandbehang, Schlüsselanhänger. Der Kreativität sind im Giraffenland keine Grenzen gesetzt.

Foto: Unterschiedliche Wolle in unterschiedlicher Farbe © Tamara Drabek

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