Hiiich Teddy Cafe
Wenn ein Teddybär der Wiener Kaffeehaus-Tradition die Show stiehlt
Im Hiiich auf der Kärntner Straße spielt Kaffee zwar eine wichtige Rolle, der eigentliche Star ist aber ein kleiner Bär. Das Konzept lockt Teenager, über 80-Jährige und vor allem viele Touristinnen und Touristen an. Der Andrang ist sogar so groß, dass die Betreiber bereits nachjustieren mussten.
Der beste Beweis dafür, dass man für Teddybären nie zu alt ist, kommt im Hiiich manchmal ganz allein zur Tür herein: Auch Gäste jenseits der 80, die sich einen Kaffee, einen Matcha und ihren dazugehörigen Bären holen. Geplant sei das so nicht gewesen. Denn als die drei Betreiber ihr Café auf der Kärntner Straße entwickelten, hatten sie vor allem Menschen zwischen 17 und 30 Jahren im Kopf. Inzwischen reicht das Publikum von Kindern und Jugendlichen bis zu Seniorinnen und Senioren.
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„Wir verkaufen in Wahrheit keinen Kaffee oder Matcha, sondern ein gutes Gefühl und Erinnerungen an die Kindheit und die Familie“, sagt Mitgründer Alireza Zolghadri. Klingt zunächst nach viel Gefühl für einen Kaffeebecher. Wer allerdings sieht, wie Gäste bei der Abholung auf ihren Teddy reagieren, versteht schnell, was er meint: Denn fast jedes Getränk wird zuerst bestaunt, dann fotografiert und erst danach getrunken.
Wer wartet, macht eben ein Foto
Dass das Konzept derart einschlagen würde, hat selbst die Betreiber überrascht. Monatelang wurde getüftelt, geplant und entwickelt. Immerhin befindet sich das Lokal in prominenter Nachbarschaft, direkt gegenüber dem Hotel Sacher. Mit einem gewöhnlichen Café, so die Überlegung, würde man hier kaum auffallen.
„Normale Kaffeekonzepte gibt es überall. Wir wollten etwas Besonderes schaffen“, erzählt Zolghadri. Wie besonders die Nachfrage tatsächlich werden würde, zeigte sich schon am Eröffnungstag: Um 19 Uhr war das gesamte Angebot ausverkauft. Nachschub musste kurzfristig sogar in der Slowakei organisiert werden. Am darauffolgenden Montag blieb das Café geschlossen, damit Abläufe, Mengen und Organisation angepasst werden konnten.
An den ersten Tagen hätten die Gäste zeitweise bis zu 50 Minuten gewartet. Dass viele trotzdem blieben, lag nicht nur am Durst. „Die Leute warten nicht einfach auf einen Kaffee. Sie wollen mit unserem Hiiich-Teddy ein Foto machen“, sagt Zolghadri. Trotzdem soll es künftig schneller gehen: Neben der regulären Kassa gibt es mittlerweile zwei Self-Order-Automaten. Eine App und eine Website sollen zusätzlich Vorbestellungen und eine zügigere Abholung ermöglichen.
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Die Teddywelt hört bei der Getränkeausgabe nicht auf. Im ersten Stock geht das Erlebnis weiter: In einem vollständig verspiegelten Raum treffen Bären auf Wien-Motive wie den Stephansdom. Dazu gibt es Fotopoints und einen Souvenirshop mit Magneten, Geschenken und Erinnerungsstücken. Mehr als 80 Prozent der Gäste seien Touristinnen und Touristen, erzählt Zolghadri. Für sie soll der Besuch nicht bloß ein kurzer Coffee-to-go-Stopp sein.
„Wir wollten den Menschen nicht nur ein Getränk verkaufen und sie wieder weiterschicken“, erklärt er. Auch die Wartezeit wird so Teil des Erlebnisses. Während unten Bestellungen vorbereitet werden, entstehen oben Fotos für das Urlaubsalbum und – mindestens ebenso wichtig – für Instagram und TikTok. „Ein Foto ist eigentlich das Schönste, das man jemandem schenken kann.“
In den kommenden Wochen soll die Kulisse noch verspielter werden. Neue, 2,12 Meter große Teddybären sind für die Fensterfront geplant und je nach Jahreszeit und Anlass kommen weitere Figuren, Becher und Accessoires hinzu. So sind etwa spezielle Dinge zu Halloween, Weihnachten oder zum Valentinstag geplant. Für Geburtstagskinder ist über die neue App außerdem ein eigener Happy-Birthday-Teddy samt Sonderrabatt vorgesehen.
Drei Bären, viele Geschmacksrichtungen
Damit nicht jeder Teddy denselben Job machen muss, gibt es drei Grundtypen: Ein dunkler Bär begleitet kalte Getränke, ein heller warme Drinks und ein etwas rundlicheres Modell die Desserts. „Hinzu kommen dann die saisonalen und anlassbezogenen Varianten“, freut sich Zolghadri.
Hygiene spiele ihm zufolge eine große Rolle: Die Figuren berühren die Speisen und Getränke nicht direkt und auch Strohhalme und Löffel sind separat verpackt, bei den Desserts liegen die Teddys auf einer Unterlage. Die Kaffeebecher sind doppelwandig und mit einem Deckel verschlossen. Für die Teddys liegen laut Betreiber zudem auch Laborberichte zur Unbedenklichkeit vor.
Auch sprachlich kommt im Hiiich kaum etwas ohne Bär aus. Auf der Karte stehen unter anderem der „Berista“, „Matcha Strawberry“ und der „Coco Mango Bär“. Welche Kreation besonders gut ankommt, zeigt nicht nur die Verkaufsstatistik. Das Team beobachtet auch genau, was online besprochen wird – und reagiert schnell.
„Wir haben unser Menü schon in der ersten Woche geändert“, sagt Zolghadri. Einige Getränke, von denen die Betreiber selbst überzeugt waren, kamen bei den Gästen weniger gut an. Auch kritische Kommentare in den sozialen Medien wurden aufgegriffen. „Wir haben das innerhalb einer Woche angepasst. Jetzt bekommen wir sehr viele positive Rückmeldungen.“
Mehr als 25 Franchiseanfragen seien bereits eingelangt, diese kommen unter anderem aus London, Dubai, Italien, Deutschland, der Schweiz und Aserbaidschan, aber auch aus Salzburg und Innsbruck.
Eine zweite Wiener Filiale ist für Anfang 2027 geplant. Passend dazu steckt die Idee des Anfangens bereits im Namen. „Hiiich“ leitet sich vom persischen Wort für „nichts“ ab. Die drei Gründer, die aus Persien stammen und seit Jahren befreundet sind, wollten damit ihre erste gemeinsame unternehmerische Reise beschreiben. Zolghadri formuliert es schlicht: „Von nichts kann man wirklich vieles aufbauen.“ Im Hiiich begann dieses „Viele“ für Zolghadri und seine Partner und Mitgründer Reza Fathi und Ali Fathi mit einem Teddy.
Kontakte und Öffnungszeiten
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