Feinspiel
Geduldsspiele statt Endlos-Scrollen
Zauberwürfel, Trickboxen, Holzlabyrinthe und Puzzles, die selbst Erwachsene an den „Rand der Verzweiflung“ bringen: Mitten in der Wiener Innenstadt hat mit Feinspiel Wien ein Geschäft eröffnet, das bewusst auf analoge Erlebnisse setzt und damit ziemlich genau den Nerv der Zeit trifft.
Vergiss den Highscore auf deinem Smartphone und das flackernde Display, das dich bis in den Schlaf verfolgt. Wer das kleine Spiele-Geschäft in Wien betritt, tauscht nicht nur blaues Licht gegen warmes Holz, sondern auch sogleich Hektik gegen Konzentration.
Was jetzt bereits als fixer Anlaufpunkt für Rätselfreunde und Rätselfreundinnen gilt, begann eigentlich ganz entspannt unter freiem Himmel. „Die Idee ist sehr zufällig entstanden“, erzählt Gründerin Christina Eder. Nachdem die Produkte auf vier Weihnachtsmärkten im letzten Jahr für Begeisterung sorgten, war die meistgestellte Frage der Kunden und Kundinnen klar: „Wo gibt es das auch unter dem Jahr zu kaufen?“ Die Antwort darauf ist das neue Geschäft. Ein glücklicher Zufall half auch bei der Standortsuche: „Ich habe nach einem Geschäft gesucht, das nicht übertrieben groß ist. Dass dieses Lokal in dieser zentralen Lage gerade frei war, war ein echter Glücksfall.“
Bewusste Alternative
In der heutigen Zeit, in der wir fast jede freie Minute mit dem Daumen über das Display wischen, setzt Eder ganz bewusst auf das haptische Erlebnis. Und der Erfolg gibt dem Konzept recht. Man spürt im Geschäft eine fast greifbare Begeisterung, sobald die Kunden und Kundinnen die Schwelle überschreiten. „Man merkt, dass es die Leute geniessen, Zeit mit Spielen abseits vom Bildschirm zu verbringen“, beobachtet sie. Besonders Eltern nutzen den Shop für analoge Spiele in Wien als gezielte Alternative zur permanenten Bildschirmzeit.
© Feinspiel
Die Zielgruppe sei bewusst breit gedacht: von Familien über Designliebhabern und Designliebhaberinnen bis hin zu Menschen, die extrem anspruchsvolle Rätsel suchen. „Wir sprechen eigentlich wirklich eine ganz bunte Vielfalt an“, erklärt sie. Manche kämen wegen besonders schwieriger Geduldsspiele, andere wegen hübsch gestalteter Spiele, die fast schon Designobjekte seien. „Teilweise kaufen Leute manche Stücke einfach als Dekoration.“
Haptisches Erlebnis mit Qualität
Wer hier nach den üblichen Verdächtigen sucht, die auch in jedem großen Online-Versandhaus im Regal stehen, wird aber enttäuscht. „Und das ist gut so“, findet die Gründerin. Denn bei Feinspiel Wien ist das Sortiment handverlesen. „Wir haben quasi keine Spiele, die es so zum Beispiel auf Amazon gibt“, so Eder stolz. Statt Massenware setzt der Store für analoge Spiele auf kleine Manufakturen und Familienbetriebe, die großteils aus Deutschland stammen, aber auch aus der Schweiz und Griechenland. Rund 95 Prozent der Spiele entstehen in Handarbeit.
Denn gerade die Materialität spielt beim Erlebnis eine zentrale Rolle: Holzlabyrinthe, fein gearbeitete Trickboxen oder Schachbretter aus Leder sollen sich bewusst hochwertig und angenehm anfühlen. „Man sieht die Qualität und die Handarbeit sofort“, sagt die Expertin. In einer Zeit, in der vieles digital und austauschbar geworden ist, werde genau dieses haptische Erlebnis für viele Menschen wieder wichtiger.
Zauberwürfel und Quattro-Formaggi-Puzzle
Unter den Bestsellern finden sich Zauberwürfel, klassische Labyrinthe und, vielleicht wenig überraschend auch Schachspiele. „Schach wird immer beliebter, die Nachfrage ist wirklich sehr groß." Und dann ist da noch ein kleiner Publikumsliebling, der trügt: das Quattro-Formaggi-Puzzle. Vier Teile. Klingt lächerlich einfach. „Das kaum jemand lösen kann", sagt sie mit einem Schmunzeln.
© Feinspiel
Eder selbst hat dabei einen persönlichen Favoriten, der seit dem allerersten Kontakt mit dieser Spielewelt treu geblieben ist: Six Bottles. „Selbst wenn man es gelöst hat, kann man es immer wieder spielen, es wird nie langweilig. Es ist nett zum Dahinspielen."
Anders als in klassischen Geschäften steht bei Feinspiel aber nicht nur das Produkt im Mittelpunkt, sondern vor allem das Erlebnis. Besucher und Besucherinnen sollen die Spiele ausprobieren, angreifen und verstehen können. Die Spieltheke in der Mitte lädt die Leute direkt dazu ein, einzutauchen.
Am Ende gehe es vor allem darum, Begeisterung für analoge Spiele, Holzpuzzles, Rätselspiele und kreative Denkspiele zu wecken. „Viele kennen klassische Rätselspiele, aber die Vielfalt überrascht die meisten total“, so Eder. „Es ist wirklich für jeden etwas dabei.
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