Wundernest
Wundernest Bücher & Du
Keine Uhr an der Wand, dafür alle Zeit der Welt
Im Wundernest dürfen Kinder wie Erwachsene stöbern, lesen, spielen und schlicht und einfach bleiben. Gründerin Sara Findenig hat eine Buchhandlung geschaffen, in der Literatur auf Eltern-Kind-Kurse, Mediation und Fortbildungen trifft.
Im Wundernest sucht man an den Wänden vergeblich nach einer Uhr. Das ist Absicht: Denn niemand soll hier ständig auf die Zeit achten müssen. Man trinkt einen Kaffee, blättert in Büchern oder spielt mit den Kindern, ganz wie es sich ergibt. „Man soll einfach sein können“, sagt Gründerin Sara Findenig. Ihre Formulierung dafür: „Flugmodus fürs Herz“
Das Wundernest versteht sich als Kinder- und Jugendbuchhandlung, die um eine sorgfältige Auswahl an Literatur für Erwachsene ergänzt wird. Im Mittelpunkt stehen Bücher über psychische Gesundheit, Gefühle, Resilienz, Prävention und Kinderrechte, flankiert von Eltern-Kind-Kursen, Mediationen und Fortbildungen für Fachkräfte.
© Wundernest
Eine Buchhandlung, die aus dem Vorlesen und dem Gefühl dabei entstand
Als Kindergarten- und Hortpädagogin, Juristin und Mediatorin brachte die Gründerin Erfahrungen aus ganz unterschiedlichen Welten mit und wollte einen Raum schaffen, in dem sie zusammenfinden. Der Wunsch, einen solchen Ort zu schaffen, entstand schließlich aber auch aus einer ganz persönlichen Erfahrung. Schon als Kind wurde ihr von ihrer Mutter vorgelesen. Was ihr davon besonders in Erinnerung geblieben ist, sind nicht immer die einzelnen Geschichten, sondern vielmehr die Stimme ihrer Mutter, ihre Mimik und Gestik und vor allem die gemeinsame Zeit. „Wenn ich heute daran zurückdenke, erinnere ich mich vor allem an dieses Gefühl der Geborgenheit. An die Nähe und daran, dass es in diesen Momenten nur meine Mama und mich gab, und das Buch.“
Viele Jahre später erlebte sie genau dieses Gefühl wieder, aber diesmal als Mama, wenn sie ihrer eigenen Tochter vorgelesen hat. Aus dem Wunsch heraus, dieses Gefühl auch anderen Kindern und Familien zugänglich zu machen, entstand schließlich die Idee zum Wundernest, „denn was von einer vorgelesenen Geschichte bleibt, ist nicht nur ihr Inhalt. Manchmal ist es vor allem das Gefühl, das wir dabei haben.“
Buchhandlungen waren für Sara immer schon Orte, an denen der Alltag für einen Moment leiser wird. „Man kann abschalten, den Stress draußen lassen und sich in Geschichten verlieren“, erzählt sie. Bücher seien für sie ein sicherer Ort, und genau dieses Gefühl möchte sie im Wundernest weitergeben. Schon der Name fasst ihre Vorstellung zusammen: „Wunder“ steht für die Einzigartigkeit jedes Menschen, „Nest“ für Geborgenheit. „Man soll ankommen können und einfach sein. Nicht funktionieren müssen“, erklärt sie ihre Version.
Nicht das Cover entscheidet
Welche Bücher ins Regal kommen, entscheidet sie natürlich höchstpersönlich, und zwar weniger nach Verkaufszahlen als danach, was eine Geschichte Kindern mitgeben kann. „Ich suche nicht nach Bestsellern, sondern nach dem Mehrwert, den ein Buch den Kindern bringt.“ Das schließt auch Titel zu schwierigen Themen ein, etwa ein Kinderbuch über das Leben mit einer depressiven Mutter.
Geht es um Wut, rät sie den Eltern häufig, nicht sofort zu einem Buch über genau dieses Gefühl zu greifen, sondern zunächst eines zu wählen, das verschiedene Emotionen behandelt. So lernen Kinder Freude, Trauer und Wut kennen, ehe sie sich mit einem besonders starken Gefühl näher beschäftigen. „Es geht darum, dass Kinder Gefühle erkennen und wissen, wie man sie ausdrückt.“ Auch beim Thema Mobbing setzt sie lieber früh an: „Irgendwie anders“ erzählt von Ausgrenzung und Freundschaft und davon, dass jeder auf seine eigene Art dazugehören kann.
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Kurse für Familien, Wissen für Fachkräfte
Die Eltern-Kind-Kurse richten sich an Familien mit Kindern zwischen null und zehn Jahren und greifen soziale wie emotionale Themen altersgerecht auf. Darüber hinaus werden auch Mediationen angeboten, sowohl für Familien als auch in Schulen und Kindergärten.
Für Pädagoginnen und Pädagogen, Ärztinnen und Ärzte sowie weitere Fachkräfte gibt es Fortbildungen zu Kinder-und Jugendschutz, Kinderrechten, Aufsichtspflichten und Kommunikation. „Ich arbeite dabei mit praktischen Fallbeispielen und Handlungsleitfäden, denn das Wissen soll sich im Alltag bewähren und nicht im Seminarraum bleiben“, erzählt sie.
Einen typischen Besuch im Wundernest gebe es nicht: Manche kommen zum Stöbern, andere für einen Kurs oder ein Gespräch. Und manchmal bleibt es einfach bei einer Geschichte, einer Tasse Kaffee und ein wenig gemeinsamer Zeit.
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