Weltraumbar
Einmal durchschweben bitte
Wer in der Weltraum Bar den ganzen Abend brav am selben Platz sitzen bleibt, hat das Konzept nicht ganz verstanden. Denn hier holt man sich einen Drink, zieht durch verschiedene Räume, schaut Kunst, tanzt eine Runde, spielt Mario Kart und landet womöglich dort, wo man ursprünglich gar nicht hin wollte.
Ein Schauspieler, ein Jurist, ein Gastronom und ein Künstler eröffnen ein Lokal – was nach dem Beginn eines Witzes klingt, ist in diesem Fall der Beginn einer Bar. Eine Pointe gibt es trotzdem nicht, dafür ein Konzept: „Wir servieren keine Getränke, wir servieren Atmosphäre“, sagt Maron, der die Idee zur Weltraumbar hatte und genau dieses ungewöhnliche Team dafür zusammenbrachte.
„Das Team ist genau wie die Weltraum Bar: Verschiedene Welten treffen aufeinander. Gemeinsam entstehen Ideen, die man sich alleine nicht ausdenken kann“, erzählt Maron. Genau dieses Prinzip prägt das gesamte Lokal, denn die Weltraum Bar ist Galerie, Bühne, Bar und Club zugleich und will vor allem ein Ort sein, an dem Menschen nicht nur nebeneinander ihre Getränke abstellen.
© Weltraumbar
Vom Abbruchlokal zum Erlebnisort
Begonnen hat alles mit einem dieser Sätze, die unter Freunden gerne jahrelang folgenlos bleiben: Irgendwann machen wir eine Bar. Maron dachte dabei schon damals an eine Kunstbar. Sein Freund Felix sei aber zunächst skeptisch gewesen, bis er von einem leerstehenden Lokal erfuhr. Der erste Eindruck war eher ernüchternd. „Es war wirklich eine komplette Katastrophe. Das Lokal hat ausgeschaut wie ein Lagerraum, den seit zehn Jahren niemand betreten hat“, erinnert sich Maron. Trotzdem sah er darin etwas und Wochen später kam er mit einem Plan zurück.
Die Räume wurden mit Seilen abgesteckt, ihre künftige Funktion festgelegt und das Konzept aufgezeichnet. Anfangs sei er dafür noch ausgelacht worden, erzählt Maron. Dann begann das Team tatsächlich mit der Umsetzung und auch der Name war irgendwann naheliegend: Weltraum steht hier weniger für Raketen und ferne Galaxien als für die vielen unterschiedlichen Räume des Lokals.
Der klassische Ablauf, „also reinkommen, hinsetzen, sitzen bleiben“, ist in der Weltraum Bar ausdrücklich nicht vorgesehen, die Gäste sollen sich bewegen, umsehen und ihren eigenen Lieblingsraum entdecken. „Man holt sich einen Drink und macht eine Runde durch die Bar. Es ist fast wie ein Museum: Man entdeckt die Sachen und findet dann den Raum, in dem man sich wohlfühlt“, beschreibt Maron die Idee. Wer tanzen möchte, geht zum Dancefloor und wer Kunst sehen will, bleibt im Galerieraum, in dem auch eine Fotobox steht. Dazu kommen ein separater Raum mit Spielen und Mario Kart sowie ein Room für Gäste, die es etwas experimenteller mögen.
Jeder Bereich folgt auch visuell einer eigenen gestalterischen Idee. Im Weltraum-Raum treffen Schwarzlichtfarben auf blaues Licht, andere Räume arbeiten mit zurückhaltenderen Tönen, Figuren oder eigenen Lichtwelten.
Das Raumkonzept zieht sich bis zur Cocktailkarte. Passend zum Red Room gibt es beispielsweise einen Red Velvet. Frisch gepresste Säfte aus Karotten, Orangen, Roten Rüben, Limetten oder Zitronen sollen den Drinks zusätzliche Frische geben. Maron nennt das augenzwinkernd die „gesunde Sünde“.
Wer eine konkrete Empfehlung möchte, bekommt von Maron gleich zwei. Das Team ist großer Fan von Lemon Sour, sogar so groß, dass dem Drink sogar ein eigenes Bild im Lokal gewidmet wurde. Der Signature Cocktail der Bar heißt Sal de Fuego. „Er verbindet rauchige und salzige Noten mit frisch gepresstem Limettensaft und selbst gekochtem Ingwer-Honig-Sirup“, erzählt er.
„Wir haben wirklich sehr viel selbst gemacht“, sagt Maron. Licht- und Edelstahlobjekte, Malereien und eigens angefertigte Installationen greifen direkt in die Architektur ein. Kunst ist hier also keine Dekoration, die nachträglich zwischen zwei Barhocker gehängt wurde, sondern Teil des Raumes.
Galerie ohne hohe Hürden
Das Team nutzte einige Sommerwochen, um zusätzliche Schallschutzmaßnahmen umzusetzen. Dabei ging im Barbereich ein Teil des ursprünglichen Gewölbes verloren.
„Wir hatten ein Jahr an dem Konzept gearbeitet und wollten nicht, dass es daran scheitert. Deshalb haben wir uns entschieden, sofort zu handeln“, sagt Maron. Optisch sei der Verlust schmerzhaft, betrieblich war der Schritt notwendig. Oder, etwas weniger poetisch: Auch eine Weltraum Bar muss sich mit irdischen Problemen beschäftigen.
Besonders wichtig ist dem Team die Zusammenarbeit mit Kunstschaffenden aus Wien. Gezeigt werden Lichtinstallationen, Skulpturen, Malerei, Mode und andere kreative Arbeiten. „Entscheidend ist nicht, ob jemand bereits einen etablierten Namen trägt, sondern ob das Werk in einen der Räume passt. Alles, was Kunst ist, ist bei uns willkommen“, sagt Maron. Die Bar stellt Flächen kostenlos zur Verfügung, verlangt weder Miete noch Verkaufsprovision und unterstützt die Ausstellenden zusätzlich bei der Bewerbung. Damit richtet sich das Angebot ausdrücklich auch an junge Talente und Menschen, die sich eine klassische Galerie nicht leisten könnten oder sich bisher nicht getraut haben, ihre Arbeiten öffentlich zu zeigen. „Wir bieten den Raum gratis, wir bieten auch Promotion gratis und wir unterstützen die Leute“, erklärt Maron.
Lieber wiederkommen als einmal überfüllen
Die Vision für die Zukunft ist klar definiert: Es geht nicht um anonymen Massenandrang, sondern um eine treue Gästeschaft, die das Besondere schätzt. Entscheidend ist für Maron nicht, dass alle Gäste gleichzeitig kommen, sondern dass die, die da waren, gerne wieder kommen.
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