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Ein Fitnessstudio für die Kreativität
Wer den Kopf ausschalten will, schnappt sich meist seine Yogamatte oder Laufschuhe und startet los. Bei Gründerin Antonia Habitzl war es immer schon etwas anders: Malen sorgte bei ihr für Entspannung. Aus diesem ganz persönlichen Bedürfnis heraus ist das A.Lab entstanden – Wiens erstes Co-Creation-Atelier, das Kreativität aus der Hobbykeller-Ecke holt und mitten in den Alltag stellt.
A für Art, Lab für Experiment
Der Name ist Programm: „A.Lab ist auf der einen Seite die Mischung aus A für Art oder A für Antonia“, erklärt Habitzl. Das Lab steht für Laboratory „und soll dazu inspirieren, zu experimentieren und einfach auszuprobieren.“ Die Idee reicht bis in ihre Schulzeit zurück, in der sie wöchentlich bis zu 16 Stunden in einem Kreativraum verbrachte. Später blieb dafür kaum noch Platz. „Ich habe alle Materialien zu Hause und hatte eigentlich immer Freude daran. Trotzdem habe ich das Kreativsein nie wieder wirklich in meinen Alltag eingebunden“, erzählt sie. Also hat sie den fehlenden Ort kurzerhand selbst erschaffen: „Ich habe mir eigentlich diesen Raum wieder gewünscht, habe ihn aber so nicht gefunden am Markt. Deshalb habe ich ihn selbst gegründet.“
Gebucht wird online, eine fixe Verweildauer gibt es nicht. „Man könnte theoretisch einmal eine halbe Stunde bleiben und beim nächsten Mal dafür acht Stunden“, sagt Habitzl. Bis zu zwölf Personen finden gleichzeitig Platz, verteilt auf zwei Räume und einen Innenhof.
Das Prinzip funktioniert bewusst wie ein Fitnessstudio: „Die Idee ist wirklich, dass man versucht, die kreative Auszeit in seinen Alltag zu integrieren.“ Dafür stehen unterschiedliche Modelle zur Auswahl. Das Basic-Abo umfasst vier Besuche pro Monat, mit der unlimitierten Mitgliedschaft kann man so oft kommen, wie man möchte. Zusätzlich gibt es einen Zehnerblock, der bis zu ein Jahr gültig ist. „Der ist für alle gedacht, die vielleicht nicht wissen, ob sie es jede Woche schaffen“, erklärt Habitzl.
Alles da, Ausreden zwecklos
Acryl- und Ölfarben, Aquarell, Kreiden, Collagenmaterialien, Drucktechniken, Papier und Werkzeuge: Alles liegt bereit. „Man muss eigentlich nichts mitbringen und kann sich einfach kreativ austoben.“ Fast alle Materialien sind im Preis inkludiert. Je nach Abo ist auch eine begrenzte Zahl an Leinwänden enthalten, weitere können direkt im Atelier gekauft werden.
Das Konzept lädt ganz bewusst dazu ein, Neues zu starten. „Man sieht vielleicht etwas auf Instagram und denkt sich: Cool, das würde ich gerne einmal ausprobieren. Aber dann müsste man sich gleich alle möglichen Sachen dafür kaufen“, sagt Habitzl. Im A.Lab kann man verschiedene Techniken kennenlernen, ohne zuerst eine private Künstlerbedarf-Abteilung anzulegen.
Besonders beliebt sind derzeit Acrylfarben und Strukturpasten, mit denen dreidimensionale Oberflächen entstehen. Letztere sehen gut aus, „benehmen sich aber nicht unbedingt wohnzimmertauglich.“ „Hier ist alles abgedeckt, man kann Schmutz machen und muss zu Hause nicht schauen, dass keine Strukturpaste auf den Mietboden fällt.“
Arbeiten können direkt mitgenommen oder zum Trocknen im Atelier gelassen werden. Strukturpasten benötigen dafür mitunter 24 bis 48 Stunden. Regelmäßige Besucherinnen und Besucher arbeiten häufig über Monate an einem Bild und nehmen es erst mit nach Hause, wenn es tatsächlich fertig ist. „Die lassen es dann immer hier zum Trocknen, arbeiten beim nächsten Mal weiter und nehmen es erst mit, wenn sie fertig sind“, erzählt Habitzl.
Im Flow
Bewertet wird im A.Lab nichts. „Es muss nicht immer nach etwas ausschauen. Solange es dir Spaß macht, ist es das Wichtigste.“ Für Habitzl selbst liegt genau darin der Unterschied zu Sport oder Yoga: „Für mich persönlich ist es die Kreativität, bei der ich es wirklich schaffe, meinen Kopf auszuschalten und in diesen Flow-Zustand zu kommen.“
Viele Erwachsene hätten verlernt, ohne Anspruch auf ein perfektes Resultat kreativ zu sein. „Als Kinder waren wir alle sehr kreativ. Da war das noch nicht so an Leistung oder Perfektion gebunden, sondern man hat einfach gemacht, was Spaß gemacht hat“, sagt Habitzl. Später werde Kreativität häufig mit der Frage verbunden, ob man etwas könne oder ob das Ergebnis gut genug aussehe. Im A.Lab soll genau dieser Druck auf jeden Fall draußen bleiben.
Dass gerade jetzt viele Menschen wieder etwas mit den eigenen Händen schaffen wollen, überrascht die Gründerin nicht. „Wir verbringen immer mehr Zeit am Handy und sind auch in der Arbeit sehr digital und remote“, sagt sie. Dadurch gingen persönliche Begegnungen und gemeinsames Tun im Alltag zunehmend verloren. Kreatives Arbeiten könne hier einen analogen Gegenpol schaffen: „Man macht etwas mit den Händen und kann das Handy einmal weglegen.“ Ihr trockener Kommentar zur wachsenden Rolle künstlicher Intelligenz: „Das kann die KI halt nicht.“
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Kreativität in Gesellschaft
Neben dem offenen Atelierbetrieb organisiert Habitzl bereits Workshops mit externen Künstlerinnen und Künstlern. „Ich bin keine ausgebildete Künstlerin, deshalb arbeite ich mit Künstlerinnen und Künstlern zusammen, die ihre Techniken weitergeben“, erklärt sie. Weitere Kooperationen und Ausstellungen sind geplant, aber noch nicht spruchreif.
Auch ein eigenes Angebot für Kinder soll künftig entstehen. Aktuell richtet sich das A.Lab hauptsächlich an Erwachsene. Ein festgelegtes Mindestalter gibt es zwar nicht, allerdings übernimmt das Atelier keine Aufsichtspflicht und Kinder können daher nur gemeinsam mit ihren Eltern teilnehmen. „Ich hatte es schon, dass Eltern mit ihren Kindern gekommen sind, und ich helfe natürlich gerne“, sagt Habitzl.
Tee, Wasser und Kaffee stehen kostenlos zur Verfügung, eigenes Essen und Getränke dürfen mitgebracht werden. Viele kommen direkt nach der Arbeit und nutzen dafür die Gemeinschaftsküche. So wird das A.Lab nicht nur zur kreativen Werkstatt, sondern auch zu einem Ort für richtigen Austausch: also für etwas, das im digitalen Alltag oft ebenso zu kurz kommt wie die Freude am einfachen Ausprobieren.
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