Diese Wiener Lokale und Shops verbinden Kulinarik mit sozialem Engagement

Ein Frühstück, ein Stück hausgemachter Kuchen oder ein Einkauf können in Wien auch gesellschaftlich etwas bewegen. Denn immer mehr Cafés, Restaurants und Shops verbinden ein gutes Angebot mit einer sozialen Idee: Sie schaffen Arbeitsplätze, fördern Inklusion und Integration oder bringen Menschen zusammen, die sich im Alltag sonst vielleicht nie begegnen würden.

Die Konzepte sind so unterschiedlich wie die Menschen dahinter. Senioren und Seniorinnen backen nach ihren Familienrezepten, Menschen mit Flucht- und Migrationserfahrung finden über das Kochen einen Einstieg in den Arbeitsmarkt und Familien erhalten Unterstützung. Was alle Betriebe verbindet: Der soziale Auftrag steht nicht über Qualität, Genuss und Gastfreundschaft, sondern gehört ganz selbstverständlich dazu.

Diese fünf Wiener Social Businesses zeigen, wie aus einem Cafébesuch, einer Bestellung oder einem Einkauf ein Beitrag zu mehr Teilhabe und neuen Perspektiven werden kann.

Vollpension

Es gibt Dinge, die schmecken bei Oma und Opa einfach besser, allen voran Kuchen, Strudel und Buchteln. Die Vollpension hat aus dieser kulinarischen Binsenweisheit ein ebenso charmantes wie erfolgreiches Konzept gemacht: In dem Generationencafé stehen Seniorinnen und Senioren nicht nur am Backofen, sondern im Mittelpunkt.

Die Vollpension zählt zu den bekanntesten Social Businesses Österreichs und hat das klassische Wiener Kaffeehaus neu interpretiert. Herzstück des Konzepts sind Senioren und Seniorinnen, die ihre Backkunst, ihre Lebenserfahrung und ihre Persönlichkeit in den Cafébetrieb einbringen. Damit schafft das Generationencafé bezahlte Beschäftigungsmöglichkeiten für ältere Menschen und setzt gleichzeitig ein Zeichen gegen Altersarmut und soziale Isolation. Ziel ist es, Generationen wieder stärker miteinander zu verbinden und Begegnungen im Alltag zu fördern.

Auf der Speisekarte stehen ausgiebige Frühstücksvariationen, traditionelle Mehlspeisen nach Familienrezepten, saisonale Kuchen, Strudel, Buchteln sowie Kaffee- und Teespezialitäten. Ergänzt wird das Angebot durch vegetarische und vegane Frühstücksoptionen sowie wechselnde Mittagsgerichte. Viele Rezepte stammen direkt von den "Back-Omas" und verleihen dem Café seinen unverwechselbaren Charakter.

Die Vollpension versteht sich nicht als karitatives Projekt, sondern als wirtschaftlich erfolgreiches Unternehmen mit gesellschaftlichem Mehrwert. Jeder Besuch trägt dazu bei, neue Arbeitsplätze zu schaffen und Menschen auch im Alter aktiv am Berufsleben teilhaben zu lassen. Gleichzeitig entstehen Begegnungen zwischen Jung und Alt, die im Alltag immer seltener geworden sind.

Die wohnzimmerähnliche Atmosphäre, die offene Backstube und die persönliche Betreuung machen jeden Besuch besonders. Das Generationencafé zeigt eindrucksvoll, wie soziale Innovation und Wiener Kaffeehauskultur miteinander verschmelzen können.

Foto: zwei Personen, eine davon eine sehr sympathische Oma aus dem Geschäft Vollpension © Mark Glasser 
Foto: Ansicht einer Obsttorte und 2 Arme die sich energiegeladen entgegenstrecken und Zusammengehörigkeit veranschaulichen © Mark Glasser

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WINS – Mode, Design und Secondhand mit Verantwortung

Einen ganz anderen, aber ebenso wirkungsvollen Ansatz verfolgt WINS. WINS steht kurz für „Wiener Inklusions- und Nachhaltigkeitsshop“ – und genau das lebt das Konzept: soziale Verantwortung und bewussten Konsum. Im Nordbahnviertel verbindet das Projekt nämlich gelebte Inklusion mit bewusstem Einkaufen. Menschen mit kognitiver Behinderung erhalten hier die Möglichkeit, grundlegende Kenntnisse für den Einzelhandel zu erwerben und praktische Erfahrungen im Berufsalltag zu sammeln.

Das Sortiment umfasst ökologisch und sozial nachhaltig produzierte Lebensmittel. Angeboten werden unter anderem Eier und Eiprodukte, Backwaren, Molkereiprodukte, Feinkost, Salate und Aufstriche, Schinken und Selchwaren, vegetarische Frischprodukte, Frischfleisch sowie Obst. Damit ist der Laden nicht nur ein praxisnaher Lern- und Arbeitsort, sondern auch eine Anlaufstelle für den täglichen Einkauf im Nordbahnviertel. "Wir sind ein Bio-Lebensmittelladen, der von einer Berufsqualifizierung geführt wird, um Menschen mit kognitiver Behinderung den Einstieg in den Arbeitsmarkt zu erleichtern", so Michael Stuchlik, Geschäftsführer von WINS.

Foto: Aussenansicht des Lokales WINS WINS © WINS

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Café PriseMUT

Ein Ort für Begegnung, Teilhabe und neue Perspektiven

Mitten im 5. Bezirk hat der Verein PriseMUT ein Café geschaffen, das weit über die klassische Gastronomie hinausgeht.

Kulinarisch bietet das Café wechselnde Brunchangebote, Kaffeespezialitäten, alkoholfreie Getränke, kleine Snacks sowie hausgemachte Mehlspeisen, die regelmäßig variieren. Frische und Abwechslung stehen im Mittelpunkt. Gerade die familiäre Atmosphäre und die persönliche Betreuung machen das Café zu einem Ort, an dem Begegnungen ganz selbstverständlich entstehen. Viele Besucher und Besucherinnen nutzen die Gelegenheit auch, um sich unverbindlich über die Angebote des Vereins zu informieren oder mit dem Team ins Gespräch zu kommen.

Der soziale Auftrag? Der Verein begleitet Familien mit einem breiten Angebot an Unterstützungsmöglichkeiten und schafft niederschwellige Zugänge zu Beratung und Therapie. Dazu gehören geförderte Ergotherapieplätze, die Familien entlasten und Kindern eine gezielte therapeutische Begleitung ermöglichen. Ergänzend organisiert PriseMUT regelmäßig Austauschgruppen, in denen sich Betroffene unter professioneller Supervision vernetzen, Erfahrungen teilen oder einfach zuhören können. So entstehen wertvolle Kontakte und ein unterstützendes Netzwerk für den Familienalltag.

Darüber hinaus finden im Café regelmäßig Vorträge und Workshops zu Themen wie Autismus, ADHS oder sensorischer Integration statt. Therapeutinnen und Therapeuten sowie Expertinnen und Experten vermitteln praxisnahe Strategien für den Alltag, während Eltern Werkzeuge für Stressbewältigung, Selbstfürsorge und einen stärkenden Umgang mit herausfordernden Situationen kennenlernen. Dadurch entwickelt sich das Café zu einem Ort, an dem Genuss, Information und gegenseitige Unterstützung zusammenfinden und an dem Gemeinschaft ebenso wichtig ist wie eine gute Tasse Kaffee.

Foto: Café PriseMUT © Café PriseMUT

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Marktcafé Ignaz & Rosalia

Das Marktcafé Ignaz & Rosalia hat sich am Meidlinger Markt als gemütlicher Treffpunkt etabliert. Hinter dem Konzept steht der Wunsch, Menschen unterschiedlicher Generationen und Lebenssituationen miteinander ins Gespräch zu bringen. Im Vorjahr wurde das Unternehmen von „Jugend am Werk“ als „Ausgezeichneter Partner“ für die Inklusion von Menschen mit besonderen Bedürfnissen geehrt. Zudem beschäftigt es seit Jahren geflüchtete Menschen und unterstützt sie dabei, Deutschkenntnisse auf dem Niveau B1 beziehungsweise B2 zu erwerben.

Kulinarisch reicht das Angebot von Kaffeespezialitäten über hausgemachte Mehlspeisen bis hin zu Frühstücksangeboten und kleinen Gerichten für zwischendurch. Saisonale Spezialitäten sowie wechselnde Tagesangebote sorgen dafür, dass auch Stammgäste immer wieder Neues entdecken können. Zum besonderen Charakter des Cafés trägt neben der entspannten Atmosphäre des Marktes auch das sogenannte ‚Kaffeetscherl mit Sinn‘ bei.

Die Idee ist von der Aktion „Suppe mit Sinn“ der Tafel Österreich inspiriert: Gäste können anonym eine Suppe für Menschen bezahlen, die sie sich selbst nicht leisten können. Im Marktcafé funktioniert das nach demselben Prinzip. Wer möchte, begleicht an der Schank die Rechnung für ein zusätzliches „Kaffeetscherl mit Sinn“ und lädt damit einen anderen Menschen auf einen Kaffee ein.

Regelmäßig finden Veranstaltungen statt, die Menschen miteinander vernetzen und von gemeinsamen Frühstücken bis zu kulturellen Angeboten oder Nachbarschaftstreffen reichen. Der soziale Gedanke zeigt sich dabei nicht aufdringlich, sondern entwickelt sich ganz natürlich aus dem täglichen Miteinander.

Foto: Außen Ansicht des Lokals Ignaz und Rosalia mit ganz viel glücklichen Gesichtern die aus dem Fenster lachen © gnaz und Rosalia

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Speisen ohne Grenzen

Foto: Innenansicht der Bar von Speisen ohne Grenzen © clemensschmiedbauer

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