Donauhof
© Florence MetzlerHistorischer Glanz trifft auf Bio-Kulinarik
Vier Zentimeter Asphalt, darunter ein verklebter Teppich und ganz unten ein wunderbarer alter Fischgrätparkett. Der Donauhof im Nordbahnviertel hatte seine Geschichte lange wirklich gut versteckt. Heute treffen im historischen Lokal wechselnde Gerichte, kompromisslose Produktqualität und Gastgeber aufeinander, die es lieber herzlich und lebendig als vornehm und leise mögen.
Als Cornelius Klimt die Räumlichkeiten 2014 zum ersten Mal sah, befand sich darin ein Holzwarengeschäft, bei dem die Decken abgehängt, der Boden mit Asphalt bedeckt, und vom ursprünglichen Charakter des Hauses kaum noch etwas zu erkennen war. Potenzial sah er aber trotzdem, Philipp Schneider lernte die Location erst 2023 kennen. Zu diesem Zeitpunkt war bereits einiges freigelegt, der Gedanke, selbst einzusteigen, entstand allerdings erst später. „Ich dachte einfach: Das ist wirklich ein schönes Lokal in einer Gegend, die zwar etwas ab vom Schuss liegt, aber dafür, wie eine versteckte Perle wirkt.“
Eine mutige Adresse
Der Donauhof befindet sich nämlich dort, wo Wien in den vergangenen Jahren besonders stark gewachsen ist: Rund um das Nordbahnviertel sind tausende neue Wohnungen entstanden. Gastronomisch blieb das Angebot lange überschaubar, zumindest dann, wenn man am Abend nicht nur schnell, sondern auch richtig gut essen wollte. „Es ist eine sehr mutige Gegend“, sagt Schneider. Gerade das mache sie spannend: Wer hierherkommt, landet nicht zufällig beim Vorbeigehen vor der Tür, sondern entscheidet sich ganz bewusst dafür. „Wir haben die Location ja definitiv nicht wegen des Standorts ausgesucht“, erzählt Klimt. „Die Location hat uns eigentlich gefunden, weil sie so schön war und wir gesagt haben: Es ist wert, daraus etwas zu machen.“
Gesagt, getan, aber dafür musste das Haus zunächst wieder zeigen dürfen, was längst da war. Unter Asphalt und Teppich kam der Fischgrätparkett zum Vorschein, hinter abgehängten Decken historische Konstruktionen und originale Kugelleuchten. „Wir haben uns hauptsächlich damit beschäftigt, Sachen wegzugeben“, sagt Klimt. Vieles, was den Raum heute prägt, wurde also nicht neu hinzugefügt, sondern wieder sichtbar gemacht.
Ein großer Raum ohne große Schwellenangst
Wer den Donauhof von außen betrachtet, ahnt zunächst kaum, was ihn drinnen erwartet. Auf überdimensionale Leuchtschriften und laute Inszenierung wurde verzichtet und der historische Saal „soll überraschen, aber niemanden einschüchtern“, so die beiden.
„Man weiß, dass man an einem besonderen Ort ist“, sagt Klimt. „Aber es sollte niemals eine Barriere geben.“ Schneider sieht gerade in diesem Kontrast einen besonderen Reiz: „Von außen erwartet man diese Art von Räumlichkeit nicht. Wenn man hereinkommt, ist man erstaunt und überrascht, wie viel Leben hier drinnen ist.“
Dass der Donauhof heute vor allem Restaurant ist, stand nicht von Anfang an fest. Ursprünglich waren auch Coworking, soziale Projekte, Kunst und Veranstaltungen vorgesehen. Der Ballsaal sollte eine größere Rolle spielen, die Gastronomie eher die notwendige Infrastruktur dafür liefern. Ein wichtiger Wendepunkt sei dann das Taubenkobel-Pop-up im Jahr 2019 gewesen. „Da hat sich gezeigt, was für ein Potenzial hier steckt“, erzählt Klimt. Gleichzeitig entstanden Kontakte zu Winzern und Winzerinnen, Köchen und Köchinnen, Gastronomen und Gastronominnen und Produzenten und Produzentinnen. Nach und nach sei klar geworden, dass die Gastronomie hier nicht das Begleitprogramm sein soll, sondern ruhig selbst der Hauptgrund für einen Besuch.
Eine Karte, „die nicht stillsitzen kann“
In der Küche wird wenig davon gehalten, Gerichte allein danach auszurichten, was vermeintlich allen gefallen könnte. „Wir machen Speisen, die uns schmecken“, sagt Schneider. „Es ist einfacher, Sachen zu machen, hinter denen man selbst steht.“ Ein Gericht, das die Handschrift des Hauses besonders gut beschreibt, sind die Paradeiserblätter: österreichisch geprägt, aber moderner interpretiert. Überhaupt arbeitet die Küche gerne mit bekannten Geschmäckern, ohne sie einfach nur zu wiederholen. Stillstand ist auf der Karte nicht vorgesehen. Daher haben nur zwei Gerichte ihren festen Platz bislang verteidigt, weil Gäste immer wieder danach fragen. Alles andere wechselt laufend. „Wenn du alle drei Monate kommst, ist die ganze Karte neu“, sagt Schneider. „Du kannst viermal im Jahr zum Essen kommen und wirst viermal überrascht.“
Die beste Bestellstrategie ist daher denkbar unkompliziert: nicht allein kommen und möglichst viel teilen. „Am einfachsten ist, man bestellt einmal die Karte durch“, empfiehlt Klimt. Das verlangt je nach Gruppengröße vielleicht ein wenig Ehrgeiz, verhindert aber zuverlässig den späteren Gedanken, man hätte am Nebentisch doch noch etwas Spannenderes entdeckt.
Bio, aber ohne großes Etikett
Bei den Produkten gelten klare Regeln: Fisch, Fleisch und Milchprodukte werden zu 100 Prozent in Bio-Qualität bezogen und auch bei Gemüse setzt die Küche überwiegend auf Bio, soweit sie in der benötigten Menge verfügbar ist. Die Lieferanten und Lieferantinnen kommen vor allem aus Wien, Niederösterreich und dem Burgenland „Wir schauen, dass wir bei den Lebensmitteln einfach die Sachen nehmen, die wir selbst für zu Hause kaufen würden“, erklärt Schneider. Groß auf die Karte geschrieben wird das nicht. „Für uns ist es selbstverständlich.“
© Florence_Metzler
Besondere Aufmerksamkeit verdient das Brot, das von einem Demeter-Betrieb im Burgenland, bei dem sämtliche Arbeitsschritte in einer Hand liegen, stammt: vom Anbau des Weizens über das Mahlen bis zum Backen. „Das ist mitunter das beste Brot, das man bekommen kann“, sagt Klimt.
Bitte nicht zu leise
So wichtig Küche und Produkte sind: „Der Donauhof soll kein Ort sein, an dem man andächtig über dem Teller flüstert“, sind sich die Gastronomen einig. Im Gegenteil: Schneider mag Restaurants dann besonders, wenn sie voll, lebendig und durchaus auch laut sind. „Dann merkt man, dass die Leute eine gute Zeit haben“, sagt er. „Essen und Trinken sollen verbinden.“ Auch der Service ist Teil dieses Verständnisses. Man nimmt sich Zeit für Gespräche, plaudert mit den Gästen und empfängt Stammgäste ebenso herzlich wie Menschen, die zum ersten Mal durch die Tür kommen.
„Es soll sich anfühlen, als wäre man bei Freunden oder Freundinnen zum Essen eingeladen“, sagt Schneider. Wer Geld für einen Abend ausgebe, solle schließlich nicht nur gut essen, sondern sich auch wirklich wohlfühlen. Dass dieses Prinzip funktioniert, zeigt sich nicht allein an Reservierungen oder Online-Bewertungen, denn mit der Rechnung kommt im Donauhof ein kleines Gästebuch an den Tisch. Darin hinterlassen Besucherinnen und Besucher Gedanken, persönliche Nachrichten und Rückmeldungen. „Da schreiben die Leute sehr persönliche Sachen hinein“, erzählt Klimt. Besonders häufig komme aus der Nachbarschaft die Freude darüber, dass es nun endlich ein solches Restaurant im Viertel gebe.
Kontakte und Öffnungszeiten
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- Addresse
- lokal@donauhofwien.at
- Do:
- 17:00-00:00 Uhr
- Fr:
- 17:00-00:00 Uhr
- Sa:
- 17:00-00:00 Uhr
- So:
- 17:00-00:00 Uhr