Past Perfect by MB
© Michaela Krauss-Boneau22 Kleiderschränke und kein Flohmarktstress
Wer bei Past Perfect by MB in der Kaiserstraße stöbert, findet nicht einfach einen bestimmten Second-Hand-Stil. Hier hängen bis zu 22 wirklich ganz unterschiedliche Kleiderschränke nebeneinander: mit Tops, Pullis, Blusen, Schmuck und allem, was die jeweiligen Besitzerinnen und Besitzer weitergeben möchten. Verkaufen können sie ihre Sachen, ohne selbst am Flohmarktstand zu stehen. „Man muss nicht in der Kälte stehen oder in der prallenden Sonne, man muss nicht verhandeln. Das alles machen wir“, erzählt Inhaberin Maja Brehmer.
Die Idee für das besondere Verkaufsmodell hat sie aus Island mitgebracht. Dass Second Hand für sie mehr ist als ein Geschäft, hat aber schon früher begonnen: mit der Freude am Stöbern und einem freiwilligen Einsatz bei der Caritas. Im Gespräch verrät Brehmer, warum sie mit Second Hand am liebsten auf Schatzsuche geht, wie die KI beim Verkauf hilft und weshalb selbst günstige Ketten für Begeisterung sorgen können.
Wie ist Past Perfect entstanden?
In meiner früheren Firma gab es einmal im Jahr einen Social Active Day, an dem Mitarbeitende freiwillig bei sozialen Projekten mithelfen konnten. Dabei habe ich festgestellt, dass mir diese Arbeit Freude macht. Ich habe mich bei der Caritas gemeldet und samstags in der Wörkerei sowie im Lager von Carla Nord geholfen. Das hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich beschlossen habe, mehr davon in mein Leben zu holen und diese Freude weiterzugeben. Daraus ist Past Perfect im September 2024 entstanden.
Welche Rolle spielte Second-Hand-Mode schon davor in Ihrem Leben?
Second Hand habe ich immer schon gern gekauft – nicht nur, weil es günstiger sein kann, sondern vor allem wegen des Suchens. Ich mag Schatzsuche: Was werde ich finden? Außerdem wollte ich nicht unbedingt das tragen, was gerade alle tragen. Die Freude am Stöbern kenne ich auch von meiner Mutter. Ein Fund ist mir besonders in Erinnerung geblieben: eine gemeinsam gekaufte Pelzjacke, bei der wir damals auch viel Spaß mit der Verkäuferin hatten.
Wie erklären Sie Past Perfect jemandem, der zum ersten Mal im Geschäft steht?
Past Perfect ist eine Art Flohmarkt, wo wir Concierge-Service anbieten. Die Verkäuferinnen und Verkäufer mieten eine Kleiderstange an, bringen ihre Ware ins Geschäft und müssen nicht selbst stundenlang am Stand stehen, in der Kälte oder Sonne warten und verhandeln. Das machen alles wir.
Ich habe früher selbst zweimal bei Flohmärkten mitgemacht, um Werbung zu machen. Der Aufwand mit Hinbringen, Aufbauen und Abbauen war enorm und zahlt sich für mich grundsätzlich nicht aus. Genau das übernehmen wir im Geschäft.
Was unterscheidet das Konzept von einem klassischen Second-Hand- oder Vintage-Store?
Past Perfect kauft die Ware nicht selbst ein und wählt keine bestimmte Stilrichtung aus. Jede Kleiderstange gehört einer anderen Person und ist wie ein eigener Kleiderschrank. Deshalb findet man eine bunte Mischung aus Vintage, modernen Basics und Einzelstücken.
Auch für die Anbieter und Anbieterinnen soll es unkompliziert und risikoarm sein: Sie bringen ihre Sachen einmal ins Geschäft und geben den Verkauf ganz oder teilweise ab – ohne hohe Anfangskosten. Derzeit kostet die Miete nur 20 Euro pro Woche für einen Kleiderständer, was günstiger als eine Flohmarkt-Tagesgebühr ist.
Wie kam die Idee ausgerechnet aus Island nach Wien?
Ich habe das Modell während eines Urlaubs in Island entdeckt. Beim ersten Besuch war ich noch verwirrt und irritiert von dem Durcheinander. Bei einer späteren Reise habe ich das Konzept verstanden, war begeistert und wollte es umsetzen, da es so ein Modell in Österreich noch nicht gab. Mit der Einführung habe ich jedoch ein Jahr gewartet, bis ich sicher war, dass genügend Laufkundschaft da ist, damit es sich für die Verkäufer und Verkäuferinnen auch wirklich auszahlt.
Wie funktioniert der Verkauf Schritt für Schritt – und was macht die KI dabei?
Zunächst bringen die Verkäufer und Verkäuferinnen ihre Ware ins Geschäft und füllen gemeinsam mit mir ein Formular aus. Wer genaue Vorstellungen hat, legt die Preise selbst fest; andere nennen nur die Stückzahl und überlassen uns die Preisgestaltung. Als Orientierung dienen ca. ein Viertel bis ein Drittel des Originalpreises.
Bei der All-inclusive Variante fotografieren wir die Stücke und erfassen sie im System Circle Hand. Bei der Do-It-Yourself Variante machen das die Verkäufer und Verkäuferinnen selber. Die KI analysiert die Bilder und schlägt Marken sowie Beschreibungen vor. Wir ergänzen Details wie die Größe.
Nach Erfassung erhalten die Anbieter und Anbieterinnen einen digitalen Lieferschein inklusive eines Links zu Circle Hand. Man kann dort die Preise kontrollieren und bei Bedarf korrigieren. Nachdem wir ein „Go“ bekommen, drucken wir die Etiketten aus und hängen die Ware auf. Das Circle Hand ist mit unserem Kassasystem verbunden: das heißt, sobald ein Stück verkauft wird, wird an Verkäufer und Verkäuferinnen eine automatische Benachrichtigung per E-Mail ausgeschickt. Dadurch behalten diese den Überblick und können bei Bedarf die eigene Kleiderstange nachfüllen. Das Wichtigste ist für mich Transparenz – und genau das ermöglicht das System Circle Hand.
Für wen eignet sich welche Variante?
Do-it-yourself eignet sich für Menschen, die schon Erfahrung mit Online-Verkäufen haben. Sie fotografieren und laden ihre Artikel selbst ins System und legen ihre Preise fest. Sie verdienen bei dieser Variante etwas mehr.
Das all-inclusive-Service passt für Menschen mit wenig Zeit, die sich nicht selbst mit Fotos und Daten beschäftigen möchten. Ganz ohne Rücksprache geht es aber auch hier nicht: Wir schicken die Preisvorschläge immer vorab zur Freigabe.
Wie oft wechselt das Sortiment?
Die meisten Verkäufer und Verkäuferinnen mieten ihre Stange für zwei Wochen. Das ist der ideale Zeitraum: Eine Woche ist oft zu kurz, nach einem Monat verkauft sich dieselbe Ware meist deutlich langsamer. Da wir derzeit 22 Kleiderstangen haben, verändert sich das Sortiment laufend. Es ist natürlich nicht wie Fast Fashion, aber es gibt trotzdem immer etwas Neues zu entdecken.
Welche Kleidung nehmen Sie an und welche eher nicht?
Abgetragene Kleidung lehne ich ab und rate zum Spenden. Auch sehr teure Luxusmarken, wie beispielsweise eine Krokodiltasche um 200 Euro, verkaufen sich bei uns nicht gut – dafür ist man in einem Luxus-Second-Hand-Laden im ersten Bezirk besser aufgehoben. Bei Billigmarken wie Shein versuche ich, diese herauszufiltern, was ohne Etikett aber schwierig ist. Gebrauchte Unterwäsche wird bei uns nicht verkauft. Grundsätzlich möchte ich, dass Second Hand leistbar bleibt und die Sachen getragen werden, statt monatelang zu hängen.
Was passiert mit den Stücken, die keinen Käufer oder Käuferinnen finden?
Am Ende der Mietdauer kann man die Ware entweder abholen oder spenden: Nicht verkaufte Teile haben wir bereits an die Caritas, Sozialmärkte und ein Nachbarschaftszentrum der Volkshilfe weitergegeben. Zudem gibt es eine Zusammenarbeit mit der Schenke in der Piaristengasse (Kost-Nix Café), wo die Kleidung kostenlos oder gegen freie Spende abgegeben wird.
Welches Stück hat Sie zuletzt überrascht?
Nicht die seltenen Vintage-Teile, sondern auffällige Ketten für rund 3,50 Euro, die besonders bei der jüngeren Kundschaft extrem gut ankommen.
Auch soziale Projekte gehören zum Sortiment. Was bieten Sie an?
Ich verkaufe Produkte aus zwei sozialen Projekten zu 100 % ohne eigenen Profit. Ein Beispiel dafür ist die Wörkerei, die Jugendliche ohne Ausbildung auf den Arbeitsmarkt vorbereitet. Sie stellen Armbänder aus Papier oder Korken, Ohrringe aus alten Werbeplanen und Taschen her.Beim Caritas „Shop mit Ziege“ gibt es bunte Socken mit Ziegen- oder Schweinchenmotiven, die gerne als Geschenk gekauft werden. Da Socken für mich zur Unterwäsche zählen, verkaufe ich hier bewusst Neuware statt Second Hand.
Kontakte und Öffnungszeiten
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- +43 676 311 09 47
- pastperfect.mb@gmail.com
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