Maestra

Foto: Maestra Mann und Frau, die Inhaber, vor Lokal © Maestra

Zwischen Melange und Matcha ist noch viel Platz

Das Café Maestra in Döbling verbindet Wiener Kaffeehaustradition mit Espresso Sunrise, Salted Honey Matcha Latte und unkomplizierten Snacks. Anna und Christoph Heinrich bringen ihre langjährige gastronomische Erfahrung ins Q19 und wollen dort einen modernen Treffpunkt fürs Grätzl schaffen.

Manche eröffnen ein zweites Lokal, um zu expandieren. Bei Anna und Christoph Heinrich war es anders. Denn obwohl sie mit dem Beaulieu in der Innenstadt längst ein etabliertes Kapitel geschrieben haben, wollten vor allem eines: etwas Neues wagen. Das Ergebnis heißt Café Maestra und liegt, fernab vom Innenstadttrubel, mitten in Döbling im Q19.

Kein Zufall, sondern Ortskenntnis, könnte man sagen. „Wir kennen die Gegend hier rundherum gut von unserer Zeit vor dem Beaulieu“, erzählt Anna Heinrich. Das Paar hat hier lange gewohnt und gearbeitet, kennt die Umgebung und wollte nun ganz bewusst Neues ausprobieren. Dass das Lokal nicht einfach Beaulieu II heißt, ist Programm. Gesucht war ein starker, weiblicher Name, der international klingt, aber nicht englisch ist. Maestra weckt Assoziationen mit meisterhafter Qualität und bedeutet im Italienischen Lehrerin.

Foto: Maestra Außenansicht Lokal mit Stehtischen © Maestra

Eine Bedeutung, die erstaunlicherweise gut zur Gastronomie passt. Schließlich lernen hier nicht nur Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter voneinander. Auch zwischen Gastgebern, Gastgeberinnen und Gästen findet ein ständiger Austausch statt. „Man kann vieles lernen in der Gastronomie, man kann aber auch den Kundinnen und Kunden vieles beibringen oder umgekehrt von ihnen lernen“, sagt Heinrich. „Es ist immer ein Geben und Nehmen.“

Auch im Beaulieu besteht ein großer Teil des Publikums aus Stammgästen, die in der Innenstadt wohnen oder arbeiten, das Team persönlich kennen und die Produkte schätzen. In Döbling sei diese Bindung an vertraute Menschen aber noch einmal stärker ausgeprägt: „Die Kundschaft hier braucht es einfach noch mehr, dass ein Mensch, den sie kennt, auch anwesend ist“, sagt Heinrich. Einige Gäste kennt das Paar bereits aus dem Beaulieu, gleichzeitig soll rund um das Maestra eine neue Stammkundschaft entstehen: Menschen aus der Nachbarschaft, Beschäftigte aus der Umgebung, klassische Kaffeehausgäste ebenso wie ein jüngeres Publikum, das Matcha, Cold Brew und schnellen Genuss längst für sich entdeckt hat.

Foto: Maestra Innenraum von Lokal, hell mit einer Bar © Maestra

Espresso mit Orangensaft? Unbedingt.

Auf der Karte begegnen sich Wiener Kaffeehauskultur und internationale Coffeeshop-Trends, ohne dass daraus, wie die Betreiber es betiteln, „ein verkrampftes Entweder-oder“ wird. Die klassische Melange darf also bleiben, bekommt aber experimentierfreudige Gesellschaft.

Eine ausdrückliche Empfehlung von Anna Heinrich ist der Espresso Sunrise: Espresso trifft auf Orangensaft und Tonic. „Es ist einfach eine Möglichkeit, etwas Neues auszuprobieren“, sagt sie. In der traditionellen Wiener Kaffeehauskultur war diese Kombination bisher zwar nicht unbedingt vorgesehen, was

aber nicht bedeute, dass sie dort keinen Platz finden kann.

Ähnlich verspielt ist der Salted Honey Matcha Latte mit Honig und Fleur de Sel. Immer entscheidend ist für Heinrich vor allem die Qualität der Zutaten. „Guter Matcha eröffnet neue Geschmackswelten, auch für Menschen, die mit dem grünen Getränk bisher wenig anfangen konnten“, sagt sie.

Beim traditionelleren Publikum braucht es mitunter eine kurze Erklärung. „Wenn die Hemmschwelle dann einmal überwunden ist und man eine gute Qualität bekommt, schmeckt es auch eingefleischten Kaffeetrinkern und Kaffeetrinerinnen“, erzählt Heinrich. Auch Cold Brew werde gerne bestellt, sobald man erklärt habe, was sich dahinter verbirgt.

Nicht jedes Experiment schafft es allerdings dauerhaft auf die Karte. Anfangs wollten Anna und Christoph Heinrich kleine süße und salzige Häppchen anbieten, die sich unkompliziert zwischendurch essen lassen. Die Idee klang gut, die Gäste waren weniger überzeugt. „Das hat leider nicht funktioniert. Es wurde nicht angenommen“, erzählt Heinrich offen. Auch das gehört zur Gastronomie: ausprobieren, beobachten und manchmal wieder streichen.

Geblieben ist ein kompaktes Angebot für den kleinen Hunger. Besonders erwähnenswert ist für Heinrich das hausgemachte Granola, das Christoph selbst zubereitet. Dazu kommen Croissants, Toasts und vegetarische Quiches. In der Kuchenvitrine wartet unter anderem ein saftiger veganer Haselnuss-Mandel-Kuchen. Auch beim Tee setzt das Maestra auf besondere Mischungen und lokale Zusammenarbeit. Gemeinsam mit dem Wiener Kräuterhaus Kottas werden Tisanen mit Zutaten wie Gänseblümchen, Verbene, Hibiskusblüten, süßer Orangenschale und Hagebutte angeboten.

Foto: Maestra Außenansicht Lokal mit Stehtischen © Maestra

Zwei Menschen, ein eingespielter Betrieb

Im Hintergrund haben Anna und Christoph Heinrich ihre Aufgaben klar verteilt. Anna kümmert sich unter anderem um Gestaltung, Marketing, Buchhaltung und die Suche nach Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Christoph verantwortet stärker die Karte und die operativen Abläufe. Entschieden wird trotzdem gemeinsam. Lange Grundsatzdebatten gebe es dabei erstaunlich selten. „Wir kommen meistens schnell zu einem gemeinsamen Nenner“, sagt Heinrich. „Ich glaube, wir ergänzen uns einfach gut in der Arbeit und sind ein eingespieltes Team.“

Mehr als ein Zwischenstopp

Ein Café in einem Einkaufszentrum hat den Beiden zufolge einen offensichtlichen Vorteil: Menschen kommen automatisch vorbei. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten bietet diese Frequenz eine gewisse Sicherheit. Anna und Christoph Heinrich wollen sich darauf jedoch nicht verlassen. „Das Maestra soll keine reine Durchlaufstation sein, sondern ein Ort, den man auch unabhängig vom Einkauf besucht“

„Ein Kaffeehaus wirtschaftlich zu führen, ist schwierig geworden. Überhaupt ist vieles in der Gastronomie schwierig geworden“, sagt Heinrich. Gleichzeitig möchten die beiden Menschen einen Platz bieten – gerade jenen, die in den vergangenen Jahren vielleicht das eine oder andere vertraute Lokal verloren haben. Das Maestra soll deshalb unterschiedliche Gewohnheiten zulassen: die ausgedehnte Melange am Tisch ebenso wie den schnellen Cold Brew.

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