TISCH&MATTE

Foto: man sieht das Besitzerpaar von TISCH&MATTE © Anna Zehetgruber

Erst Sonnengruß, dann ein gutes Glas Wein

Wer kennt’s? Man versucht sich am „Herabschauenden Hund", nur um dann schuldgefühlsbeladen am Apfel-Ingwer-Shot zu nippen. Oder man sitzt beim Wirt, genießt Schnitzel und Blaufränkischen, spart sich aber jegliche Bewegung für die nächsten drei Werktage. Dass man das eine tun kann, ohne das andere zu lassen, beweist jetzt Tisch & Matte im 20. Bezirk.

Foto: Ansicht einer Holzbox mit einer Speisekarte mit der Aufschrift Tisch und Matte © Anna Zehetgruber

Yoga in der Früh, Schnitzel zu Mittag und am Abend ein Glas Wein? Ja! Im Tisch & Matte muss sich niemand für eine Seite entscheiden, denn das Team rund um Navid Adham und seine Freundin Michaela Illetschko hat den Spagat gewagt – im wahrsten Sinne des Wortes: Das »Tisch & Matte« ist Gasthaus und Movement-Studio in einem und somit eine Kombination, die man in Wien bislang eher vergeblich gesucht hat.

„Die Entscheidung ist eigentlich ganz natürlich entstanden“, erzählt Mitgründer Navid Adham. Viele Jahre arbeitete er in der Gastronomie, unter anderem im bekannten Wiener Gasthaus Am Nordpol 3. Mit dessen Betreiber Elias, seiner Partnerin Michaela „Michi“ Illetschko und dem heutigen Küchenchef Josef sprach er immer wieder darüber, eines Tages etwas Gemeinsames auf die Beine zu stellen. „Wir haben gerne zusammen gekocht und uns gut verstanden. Irgendwann kam die Frage auf, wie wir Yoga und ein Restaurant miteinander verbinden können.“

Die Idee dazu brachte Michi ein. Einen großen Masterplan oder den einen filmreifen Geistesblitz gab es allerdings nicht. „Wir haben einfach weiter daran gearbeitet und irgendwann ist das Konzept gestanden“, sagt Adham. Oder etwas weniger strategisch formuliert: Warum eigentlich nicht?

Genuss und Bewegung

Die bisherige Resonanz aus dem Grätzl hat das Team positiv überrascht. Viele Gäste kommen aus der unmittelbaren Umgebung, derzeit vor allem Menschen zwischen Mitte 40 und Mitte 50. An manchen Abenden mischen sich jedoch ganz unterschiedliche Generationen im Lokal. „Unsere Nachbarschaft besteht aus wirklich tollen Menschen“, sagt Adham.

Foto: Innenansicht des Lokals, einige leere Tische mit schöner Dekoration © Anna Zehetgruber

Auf dem Programm stehen Yoga, Pilates, Breathwork und Tanz. Um Buchungen und Stundenpläne kümmert sich Michi und macht alle Informationen zentral über die Website abrufbar.

Tisch & Matte will aber kein Ort ausschließlich für Menschen werden, die ihre Yogamatte immer griffbereit tragen. „Wir haben eigentlich keine konkrete Zielgruppe“, betont Adham. Willkommen sind Geübte ebenso wie Neugierige und natürlich auch Gäste, die „nur“ gut essen möchten und vorerst keinen Ehrgeiz beim Sport entwickeln.

Mittags Teller, abends à la carte

Kulinarisch setzt Tisch & Matte auf saisonale, mediterran inspirierte Küche – unkompliziert, aber mit Anspruch. Mittags gibt es ein klar strukturiertes, täglich wechselndes Angebot: Am Dienstag steht Fleisch auf dem Plan, am Mittwoch wird vegetarisch gekocht, am Donnerstag vegan und am Freitag Fisch serviert. Abends wechselt das Lokal in den À-la-carte-Modus.

Die Kombination aus Genuss und Bewegung versteht das Team nicht als Widerspruch, sondern als Lebensgefühl. „Hier geht es nicht um Selbstoptimierung oder darum, sich das Abendessen erst auf der Matte verdienen zu müssen“, so Adham. Gegessen, getrunken und gefeiert wird genauso selbstverständlich, wie man sich bewegt, durchatmet oder für eine Stunde zur Ruhe kommt.

Balance ist für mich persönlich sehr wichtig“, erklärt er. Das gelte nicht nur für das Verhältnis zwischen Restaurant und Studio, sondern auch für die Zusammenarbeit im Team und für das gemeinsame Projekt mit seiner Partnerin. „Wir haben es privat geschafft, ein gutes Gleichgewicht zu finden. Natürlich war da die Frage, wie das sein wird, wenn wir auch beruflich zusammenarbeiten.“

Damit die Verbindung funktioniert, braucht es klare Rollen, Vertrauen und ein Team, das die Idee mitträgt. „Wenn alle gut zusammenarbeiten und sich ausgeglichen fühlen, strahlt man das auch nach außen aus“, ist Adham überzeugt.

Zwischen Dinner, Tanz und Vernissage

Auf Dauer soll es im Tisch & Matte nicht bei Restaurant und Yogastudio bleiben. Geplant sind Yoga-Brunches, besondere Dinner, Konzerte, Workshops und Veranstaltungen rund um Kunst und Kultur. Erste Gespräche über Vernissagen laufen bereits. Unterstützung erhält das Team dabei von Michis Stiefvater, der selbst Künstler und in der Wiener Kunstszene gut vernetzt ist. Auch beim Umbau des Lokals stand er den Gründern zur Seite.

„Da wird demnächst auf jeden Fall noch etwas kommen“, kündigt Adham an. Alles Weitere darf sich entwickeln, ohne starren Veranstaltungskalender und ohne den Anspruch, vom ersten Tag an jedes Format abzudecken.

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