Karl Peter‘s Söhne

Foto: Ansicht des Besitzerpaares des Geschäftes © Karl Peters Söhne

Karl Peter‘s Söhne

Die Kunst der Beständigkeit

Es ist ein großes Kompliment, das Karlheinz Peter regelmäßig entgegennimmt: „Schön, dass es euch noch gibt.“ Viele Menschen betreten sein Geschäft in Wien gar nicht mit einer Einkaufsliste, sondern suchen einfach die Sehnsucht nach Beständigkeit. Gegründet im Jahr 1732, ist Karl Peter‘s Söhne viel mehr als ein Fachgeschäft für Spieluhren, Kurzwaren und Bänder, nämlich eine emotionale Zeitkapsel, die Wiener Kulturgeschichte, familiäre Traditionen und Kindheitserinnerungen bewahrt.

Manche Geschäfte verkaufen Produkte. Karl Peter‘s Söhne „verkauft“ vor allem ein Gefühl. Im Gespräch erzählt Karlheinz Peter, warum Beständigkeit manchmal die mutigste Form von Veränderung ist, weshalb sein Geschäft für viele Menschen längst zu einem Stück Wien geworden ist und warum kein Großkonzern dieser Welt dieses besondere Feeling kopieren kann.

Foto: Innenansicht eines Fachgeschäfts für Spieluhren, Kurzwaren und Bänder. Eine emotionale Zeitkapsel, die Wiener Kulturgeschichte, familiäre Traditionen und Kindheitserinnerungen bewahrt.
Manche Geschäfte verkaufen Produkte. Karl Peter‘s Söhne „verkauft“ vor allem ein Gefühl. © Karl Peters Söhne

Ihr Geschäft gibt es bereits seit 1732 – damit ist es älter als viele Wiener Institutionen. Empfinden Sie diese enorme Geschichte manchmal als besondere Verantwortung?

Ja, absolut. Ich bemühe mich natürlich sehr, das Besondere an diesem Alter und diesem Betrieb noch weiter auszubauen. Wenn mir das gelingt, schätze ich mich glücklich. Ich hoffe auch, dass eine meiner Töchter das Traditionsgeschäft in Zukunft weiterführen wird, so wie sie es auch jetzt schon zumindest als an der Arbeit teilhabende Person macht.

Fast 300 Jahre Unternehmensgeschichte bedeuten auch, dass der Betrieb Kriege und massive gesellschaftliche Veränderungen überstanden hat. Warum hat ausgerechnet Ihr Geschäft überlebt, während so viele andere verschwunden sind?

Das liegt wahrscheinlich am Stolz, einer Familie anzugehören, in der man seinen eigenen Beitrag leisten kann, um den Bestand des Betriebes weiter zu verlängern. Es ist für uns eine besondere Freude, wenn Kunden oder Kundinnen reinkommen und sagen: "Schön, dass es euch noch gibt!" Viele kommen auch vorbei, um sich einfach nur die Sachen anzuschauen, ohne etwas zu kaufen. Sie sagen dann ganz offen: "Kaufen heute gar nichts bei Ihnen, aber es freut uns, dass es sie noch gibt." Über solche Besucher und Besucherinnen freuen wir uns natürlich genauso – das Fachgeschäft hat eben auch ein bisschen was von einem Museum.

Sehen Sie Karl Peter‘s Söhne selbst als ein echtes Wiener Original? Und was macht so ein Original überhaupt aus?

Ich glaube nicht, dass man direkt sagen kann, dass unser Betrieb ein Wiener Original ist. So etwas gibt es bestimmt überall, aber eben nicht oft – selbst in Wien ist es nur sehr selten, einen Betrieb wie den unseren zu finden. Wir sind einfach extrem bemüht, den Stil beizubehalten, den wir hier präsentieren, und sind mit Veränderungen gar nicht so einverstanden. Wir glauben, dass viele Kunden und Kundinnen das gerne sehen und uns deswegen auch gerne besuchen. Die Tradition ist ja zum Teil auch ein Schatz der Kunden und Kundinnen, weil sie wissen, wo sie Sachen bekommen, die man so leicht nicht überall bekommt. Wir haben uns da gezielt Nischen ausgesucht. Dass ich das im Laufe der vielen Jahrzehnte meiner Geschäftsführung beibehalten habe, war rückblickend genau der richtige Weg.

Wenn Kundinnen und Kunden Ihr Geschäft zum ersten Mal betreten – gerade die aus dem Ausland –, was hören Sie da besonders oft?

Wenn es Menschen sind, die aus dem Ausland kommen, hören wir oft den Satz: "Sowas gibt es bei uns nicht mehr!" Früher hat es solche Läden sicherlich gegeben, aber heute ist es eben der Vorteil eines Betriebes, der sich bemüht, weiterhin am Leben zu bleiben und eine Bereicherung im Angebot darzustellen. Deshalb werden wir innerhalb von Familien oft weiterempfohlen. Keiner lebt ewig, und das Wissen über so einen Betrieb muss weitergegeben werden.

Wie funktioniert diese Weitergabe der Tradition in der Praxis?

Das hängt stark von den Familien ab, die uns kennen und uns den Kindern weiterempfehlen. Wenn die Großmutter oder die Eltern den Kindern zeigen, wie ein Kreuzstich oder eine bestimmte Art von Handarbeit funktioniert, weckt das im Kind oft den Wunsch, das auch zu können und mit der Kunst etwas selbst zu erzeugen. Wenn die ältere Generation den Jugendlichen dann auch gleich noch zeigt, wo sie das besorgen können, was sie dazu brauchen – nämlich bei uns –, dann ist das unsere Zukunft.

Posamenten, Borten und Handarbeitszubehör sind Begriffe, die jüngere Menschen kaum noch kennen. Wie erklären Sie Ihr Handwerk, und warum ist es heute noch relevant?

Von Handwerk würde ich bei mir jetzt gar nicht zu sehr sprechen. Ich bin ja in erster Linie ein Händler geworden. Heute gibt es von den 400 Erzeugern und Erzeugerinnen, die es damals gab, nur noch einen einzigen in Wien.

Wer heute zu Ihnen kommt, findet weit mehr als nur Schnüre und Bänder. Was genau kann man bei Karl Peter‘s Söhne alles entdecken?

Weit mehr, ja. Nicht nur Schnüre und Bänder, sondern das gesamte Zubehör zum Nähen. Das ist eine Kategorie von 1000 verschiedenen Möglichkeiten – angefangen von der Nadel über das Nähgarn bis hin zum Stoff, den man dazu braucht. Zusätzlich bieten wir auch jede Menge Ideen an, die man in Form von Büchern oder Vorlagen bei uns erstehen und sich davon inspirieren lassen kann.

Womit überraschen Sie Erstbesucher und -besucherinnen am häufigsten?

Ganz klar mit dem Ambiente in unserem Betrieb, wenn die Leute das erste Mal kommen. Sätze wie "Sowas haben wir schon lange nicht mehr gesehen" hören wir dann – und das ist für uns eine durchwegs positive Beurteilung.

Gibt es einen ganz bestimmten Artikel in Ihrem Sortiment, bei dem Sie sagen: Das ist das Außergewöhnlichste, was man in Wien kaufen kann?

Lassen Sie mich nachdenken, das ist nicht so einfach und darauf war ich jetzt nicht ganz vorbereitet. Aber die Spieluhren sind sicherlich eine Spezialität. Nach dem, was ich von den Kunden und Kundinnen höre, dürften wir der einzige Betrieb sein, der sich wirklich als Spezialist für Spieluhren bezeichnen kann. Sicherlich gibt es irgendwo eine Spieluhr in einem Souvenirladen oder so, das ist klar. Aber das, was wir anbieten, ist natürlich mehr als ein Souvenir. Es ist normalerweise ein Geschenk, das besondere Anlässe erfordert und nicht nur so im Vorbeigehen gekauft wird.

Sie arbeiten auch mit Kulturinstitutionen zusammen. Welche außergewöhnlichen Projekte sind Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben?

Besonders in Erinnerung geblieben ist mir ein Wiener Theater, wo ein Stück auf dem Spielplan steht, das erst seit einigen Monaten läuft: Maria Theresia. Für die Ausstattung der Bühne wurden ganz spezielle Quasten gebraucht, die wir liefern konnten. Als Anerkennung für unseren Beitrag wurden wir dann sogar zur Premiere eingeladen, um uns das anzuschauen.

Warum üben diese klassischen Musikspieluhren eigentlich bis heute so eine ungebrochene Faszination auf die Menschen aus?

Bei vielen Kunden und Kundinnen ist es schlicht eine Erinnerung, die bis in die Kindheit zurückreicht. Denken Sie an die Babysachen oder irgendwelche Puppen, wo halt eine Spieluhr drin war. Wenn man daran gezogen hat, hat man die Musik gehört und konnte die Spieluhr aktivieren. Genau das macht die Faszination aus.

Foto: Aussenansicht des Geschäftes in der Dunkelheit mit Beleuchtung der Auslage und des Geschäftsschildes © Karl Peters Söhne

Gab es einen ganz konkreten Moment, in dem Ihnen bewusst wurde, dass Sie hier nicht bloß Waren verkaufen, sondern echte Wiener Geschichte bewahren?

Ja, und diese Firmengeschichte wird auch von den Kunden und Kundinnen manches Mal aktiv abgefragt. Sie haben ein echtes Interesse daran, den Verlauf eines Firmenbestandes kennenzulernen, der schon viele Jahrzehnte andauert. Das ist meistens verbunden mit einer positiven Beurteilung des Ambientes in unserem Betrieb. Es gefällt den Leuten einfach, dass es anders ausschaut bei uns, als es heute in den oft sehr nüchtern ausgestatteten Betrieben der Fall ist.

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